Aurich - Wenn es um die Torwartsituation bei der SpVg Aurich geht, fehlen Claudio Casto fast die Worte. „So etwas habe ich noch nie erlebt“, sagt der Trainer des Fußball-Bezirksligisten, der einen erschreckenden Verschleiß an den Männern zwischen den Pfosten hat. In den bisherigen 17 Begegnungen hüteten schon sechs verschiedene Keeper den SpVg-Kasten. Am Freitagabend stand beim torlosen Remis beim FC Norden mit Hendrik Schulz gar ein etatmäßiger Feldspieler zwischen den Pfosten.
Das Verletzungspech ist den Aurichern bislang ein treuer Begleiter. Dabei war die Ausgangslage zu Saisonbeginn durchaus komfortabel, schließlich standen mit Lars Küßner, Julien Schreitling und Kacper Kempisty drei Torhüter von Format auf Castos Personalbogen. In den ersten sieben Begegnungen war Küßner die Nummer eins. Doch dann begann allmählich verletzungsbedingt das Roulettespiel auf der wichtigen Position. Küßner zog sich bei einem Trainingsunfall einen doppelten Kreuzbandriss zu und fällt für den Rest der Spielzeit aus. Schreitling brach sich beim 3:0-Sieg über TuS Holtriem den Fuß und wird ebenfalls noch länger fehlen. Kempisty steht nur sporadisch zur Verfügung, sodass Casto kurzerhand für die Partie gegen Germania Wiesmoor Jannik Wetzel, den er aus gemeinsamen Zeiten beim BSV Kickers Emden kennt, reaktivierte.
Als der ebenfalls ausfiel, musste mit Werner Dirks sogar der Torwarttrainer ran. Der verletzte sich beim 3:0 über den SV Großefehn aber am Rücken. Für die letzten 20 Minuten streifte da schon Hendrik Schulz die Handschuhe über.
Mangels Alternativen ging Schulz auch auf dem Norder Kunstrasen wieder ins Tor und machte einen guten Job. So verhinderte er kurz nach dem Seitenwechsel bei einem der wenigen Konter der Gastgeber das drohende 0:1, als er gegen FCN-Routinier Jens Bakker klärte. „Dafür fehlt uns Hendrik natürlich als Spieler in der Dreier-Abwehrkette“, ist Casto mit der Situation unzufrieden. Vor der Winterpause genießen die Auricher noch Heimrecht gegen Schlusslicht TuS Strudden sowie Blau-Weiß Borssum. Dann wird der Spielermarkt sondiert. „Wir brauchen zwei neue Torhüter“, betont Casto, der auch weitere Veränderungen im Kader nicht ausschließt. So rechnet er mit den Abgängen mehrerer Spieler, die sich mehr Einsatzzeiten erhofft hatten oder unter den in sie gesetzten Erwartungen blieben. Im Gegenzug soll es die eine oder andere Verstärkung geben. „Spielerisch sind wir sehr gut, es fehlt uns aber noch an der nötigen Robustheit“, hat Casto den Schwachpunkt ausgemacht.
Die Auricher, die sich in den vergangenen Jahren regelmäßig im Abstiegskampf wiederfanden, wurden nach vier furiosen Auftaktsiegen – darunter 9:0-Erfolge über FC Norden und TuS Strudden – von einigen schon als Titelkandidat gehandelt. Als Tabellendritter liegt die SpVg zwar immer noch gut im Rennen, doch Casto sieht eine klare Tendenz im Aufstiegsrennen. „Das dürfte der TuS Esens für sich entscheiden. Wir wollen in der nächsten Saison angreifen.“