Nordenham - Im nächsten Jahr können sie in ein neues, sauberes Zuhause umziehen. Auf dem Nordenhamer Rathausturm steht die neue Wohnung – ein Nistkasten aus der Airbus-Lehrwerkstatt. Jetzt ist er auf dem Turm montiert worden.
Den Kasten über die enge Wendeltreppe auf den Turm zu tragen, war Knochenarbeit. Mit dem Kies war es nicht besser. Dann hatte Walter Tapken seinen Auftritt, Geschäftsführer der Metallbaufirma Meinardus und Tapken aus Brake. Er befestigte den Aluminiumkasten in luftiger Höhe. Jetzt sind die Wanderfalken am Zug.
300 km/h im Sturzflug
Wanderfalken sind die schnellsten Vögel der Welt. 300 Stundenkilometer erreichen sie im Sturzflug. Seit einigen Jahren brüten sie wieder in der Wesermarsch, auch in Nordenham. Doch mit ihrem alten Quartier gibt es ein Problem. Das befindet sich auf dem Fernmeldeturm an der Bahnhofstraße. Seit Jahren hat niemand den Kasten gereinigt. Um den Turm über die Treppe im Inneren besteigen zu dürfen, ist eine Kletterausbildung gefordert. Diesen Nebenjob für den Naturschutz übernahmen über Jahre Techniker der Telekom. Doch der Turm wird nicht mehr von der Telekom verwaltet. So entstand die Idee, den Wanderfalken auf dem Rathausturm einen neuen Brutplatz anzubieten. Diesen Nistkasten können die Naturschützer in Eigenregie reinigen.
Um das Projekt umzusetzen, haben sich Naturschützer aus der Wesermarsch an die Airbus-Lehrwerkstatt gewandt. Die sagte ihre Unterstützung zu und hat nicht nur den Kasten für den Rathausturm, sondern noch weitere gebaut.
In Empfang genommen hat sie Franz-Otto Müller aus Brake, Leiter des Arbeitskreises Wanderfalkenschutz Nordseeküste. Der Arbeitskreis Wanderfalkenschutz betreut 56 Wanderfalkenpaare in Niedersachsen.
Für den Nachwuchs
Drei davon jagen zwischen Weser und Jade: auf dem Leuchtturm am Deich zwischen Eckwarderhörne und Tossens hat ein Paar in diesem Frühjahr drei Junge großgezogen, ebenso im Braker Hafen. Auch auf der Vogelinsel Mellum sind drei junge Wanderfalken groß geworden. Das Nordenhamer Paar ist aufgrund der beschriebenen Probleme offensichtlich leer ausgegangen.
Die Stadt Nordenham hat die Installation des neuen Nistkastens unterstützt und verbindet damit auch eine Hoffnung. In dem Pappelwäldchen neben dem Rathaus brüten Dutzende von Saatkrähen. Die nerven mit ihrem Gekrächze seit vielen Jahren etliche Nordenhamer. Wanderfalken sehen das anders. Bei ihnen stehen Krähen auf dem Speiseplan.