Emden - Mit ihrem Umzug wollte sich Gudrun Gontjes einen Traum erfüllen. Es wurde ein Albtraum. Jetzt steht ihr Hundefriseursalon Pico Bello an der Schützenstraße 8 in Emden vor dem Aus. Ende des Jahres wird Gontjes ihre zehnjährige Tätigkeit am Fell der Hunde an den Nagel hängen. Gespräche mit dem Jobcenter über den weiteren beruflichen Werdegang laufen bereits. „Mir tut das vor allem für meine Kunden und die Hunde leid.“ Der Grund für die Misere: Bebauungspläne aus den 198er-Jahren, auf deren Umsetzung Gewerbe- und Bauamt der Stadt Emden offenbar streng achten. Zumindest jetzt.
Ein gelber Umschlag mit 2000 Euro drohender Strafe
Es war ein Umschlag in alarmierender ockergelber Farbe, der Gontjes berufliche Existenz in der ersten Jahreshälfte 2024 auf den Kopf stellte. Darin war kein Glückwunschtelegramm der Stadt über den erfolgreichen Umzug der Selbstständigen. Stattdessen: Nutzungsuntersagung des Betriebs unter Androhung einer vierstelligen Strafe.
Den Weg zu diesem Brief hat Gontjes selbst geebnet. Zehn Jahre lang betrieb sie ihren Salon in der Neutorstraße. Rechtlich einwandfrei. Als aber die Räumlichkeiten in der Schützenstraße 8 gegenüber vom Schützenplatz und neben dem Kickers-Stadion frei wurden, weil eine Fußpflegepraxis ausgezogen war, witterte die Emderin eine Chance. Eine passendere Immobilie, etwas abseitiger gelegen, weniger Stress für die Tiere, Parkplätze vor der Tür. „Da passt ja alles, fand ich“, erzählt Gontjes im Gespräch mit der Redaktion. Zumal sie die Immobilie bereits kannte. Ursprünglich war eine Baguetterie dort drin beheimatet, sie selbst hatte dort gearbeitet. Den Umzug von der Neutorstraße in die Schützenstraße führte sie Anfang des Jahres durch, brachte die Außenwerbung an, am 22. Februar 2024 ging sie gut gelaunt zur Gewerbeaufsicht, um sich formell umzumelden. Ein Gang mit Folgen.
Gelegen neben dem Kickers-Stadtion und gegenüber vom Schützenplatz: Dort befindet sich der Salon „Pico Bello“. Noch. Denn dieser Bereich ist als „Reines Wohngebiet“ klassifiziert. Damit ist der Salon nicht erlaubt. Bild: Peter Saathoff
Bauamt kennt keine Gnade – oder Verfahren zur Planänderung
Dadurch, dass sie rechtlich alles richtig machen wollte, begann das Verhängnis. Wochen später hielt sie den Brief in den Händen mit der Androhung eines Ordnungswidrigkeitsverfahrens. Ihr Gewerbe sei an dieser Stelle nicht zulässig, der Bereich um die Schützenstraße sei als „Reines Wohngebiet“ klassifiziert, in dem maximal Nahversorgung oder „nicht störende“ Handwerksbetriebe genehmigt werden könnten. Ein Hundesalon gehört nicht zu dieser Kategorie. Eine Fußpflege übrigens auch nicht. „Ich war völlig entsetzt“, schilderte Gontjes. „Ich habe noch nie in meinem Leben etwas Ungesetzliches getan – und dann kommt das.“
Die Inhaberin suchte das Gespräch mit der zuständigen Sachbearbeiterin, erklärte ihre Situation, wies darauf hin, dass ein erneuter Umzug für sie wirtschaftlich nicht darstellbar sei. Die Folgen: ein zweiter Brief. Fünf Monate Gnadenfrist wollte die Stadt ihr einräumen, um sich eine Alternative zu suchen, geht aus den mehrseitigen Schreiben hervor, das dieser Redaktion vorliegt. Ansonsten drohen 2000 Euro Zwangsgeld. Die Begründung für die Drohung geht über mehrere Seiten. Darin heißt es unter anderem: „Es liegt nicht im öffentlichen Interesse, dass ihr persönliches Interesse an der Erwirtschaftung von Gewinnen und Finanzierung ihres Lebensunterhalts durch den Erhalt der Einnahmen durch die illegale Nutzung der Räumlichkeiten erzielt werden.“