Hude - „Meine Tochter ist nun 13 Jahre alt und kann seit Jahren nicht mehr auf diesem Spielplatz spielen!“, machte Andra Kagels ihrem Ärger Luft. Sie ist Anwohnerin an der Jägerstraße in Hude und setzt sich gemeinsam mit anderen Anwohnern dafür ein, dass der Rest des einst rund 6000 Quadratmeter großen Spielplatzes erhalten bleibt – und vor allem – erneuert wird. Die Fläche musste um rund zwei Drittel reduziert werden, weil die neue Kita Amselhüpfer auf ihr errichtet wurde. Für Ärger sorgte in den vergangenen Wochen zudem der Zaun zum neuen Kita-Gelände, der die Restfläche des Spielplatzes nochmals um insgesamt zwölf Quadratmeter minimiert hatte.
Der Ortstermin
Seit die Pläne zum Bau der neuen Kita 2017 konkret wurden, setzt sich eine Gruppe engagierter Anwohnerinnen und Anwohner für den Erhalt des Spielplatzes ein. Allerdings fühlt sich diese Gruppe von der Verwaltung wenig mitgenommen und informiert, wurde bei einem Termin auf dem Spielplatz deutlich, zu dem Anwohner Bürgermeister Jörg Skatulla und Michael Zinke, Mitarbeiter der Verwaltung, eingeladen hatten. Sie wollten mit der Verwaltung ins Gespräch kommen und Antworten auf Fragen bekommen, die schon lange auf ihrer Seele brennen.
Der Hintergrund
Sauer stößt der Anwohner-Gruppe auf – und das schon seit Jahren –, dass sich die Grundfläche des Restspielplatzes immer weiter minimieren würde, ohne darüber seitens der Verwaltung informiert zu werden, erklärte der ehemalige Anwohner Carsten Raschen. Laut eines Ratsbeschlusses sollte eine Restfläche von 2150 Quadratmetern erhalten bleiben. Nun sind es jedoch rund 150 Quadratmeter weniger, weil im Verlauf der Bauphase der Plan hätte angepasst werden müssen, erklärte Zinke.
„Es wurde ein sehr früher Entwurf im Rat beschlossen“, sagte er. Im Verlauf der Bauarbeiten sei unter anderem klar geworden, dass eine Wallhecke, die eigentlich als Außenfläche der Krippe zugeordnet war, dafür nicht zugelassen werde. „Das ist dann natürlich zu Lasten des Restspielplatzes ausgefallen“, sagte Zinke.
Generell sei aber bei den Bauarbeiten immer das Ziel gewesen, dass so viel öffentliche Fläche für den Spielplatz wie möglich erhalten bleibe, sagte Zinke. Allerdings sei eine Mindestfläche pro Kind erforderlich, die eingehalten werden muss, damit die Kita auch abgenommen wird. Die Außenfläche der Kita beträgt nun 1326 und die der Krippe 409 Quadratmeter (zum Vergleich: ursprünglich waren für die Krippe 410 und für die Kita 1234 Quadratmeter geplant).
Auf dieser Luftaufnahme aus dem Sommer 2021 ist die Fläche, auf der seitdem die Kita Amselhüpfer gebaut wurde, zu sehen. Diese Fläche hatte zuvor zum Spielplatz an der Jägerstraße gehört.
Archiv/Torsten von Reeken
Auf dieser Luftaufnahme aus dem Sommer 2021 ist die Fläche, auf der seitdem die Kita Amselhüpfer gebaut wurde, zu sehen. Diese Fläche hatte zuvor zum Spielplatz an der Jägerstraße gehört.
Archiv/Torsten von ReekenNeuer Ärger
Ein Baum, der im Bauplan falsch eingezeichnet worden war, hat jüngst noch einmal für Probleme gesorgt. Denn beim Setzen des Zaunes zum Spielplatz sei aufgefallen, dass der Zaun direkt auf den Baum zulaufen würde, erklärte Skatulla den Anwohnern. Also musste schnell gehandelt werden – ebenfalls zu Lasten des Restspielplatzes. Denn wäre der Zaun so gesetzt worden, dass der Baum außerhalb des Kitageländes liegt und somit die Grundfläche der Kita minimiert worden wäre, hätte die Verwaltung riskiert, dass die Mindestfläche für die Genehmigung nicht ausreicht, erklärte der Bürgermeister. Skatulla: „Das oberste Ziel war, die Kita fertigzukriegen.“
Im September hatte die Verwaltung Messungen in Auftrag gegeben, die Aufschluss darüber geben sollten, wie viel Restspielplatz-Fläche letztlich durch das Setzen des Zaunes verloren gegangen ist. Das Ergebnis: zwölf Quadratmeter. Den Zaun wegen zwölf Quadratmetern zu versetzen, stehe indes nicht zur Debatte, machte Skatulla deutlich. „Das muss man dann auch einfach mal ins Verhältnis setzen.“
Der Ausblick
Den Anwohnern ist der Unmut über den Zustand des Restspielplatzes anzumerken. Nicht nur, weil dieser während der Bauphase streckenweise nicht nutzbar gewesen war, erklären sie. Auch, dass einige Spielgeräte für die Kita weichen mussten und noch vorhandene teilweise defekt und insgesamt in die Jahre gekommen sind, sei ein nicht tragbarer Zustand, so der Konsens der Anwohner. Ihr dringender Appell an Skatulla lautete deshalb, so schnell wie möglich aktiv zu werden, um den vorhandenen Spielplatz aufzuwerten. Die Verwaltung arbeite gemeinsam mit der Spielplatzpatin an einem Konzept für den Restspielplatz, auch würden im Haushaltsplan Mittel für den Spielplatz bereitgestellt, sicherte Skatulla zu. Trotz des Unmuts über den aktuellen Zustand des Spielplatzes betonten einige Anwohner aber auch, froh über die neue Kita zu sein.