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nordwest-zeitung

Benefiz-Rallye in den Senegal Oldenburger Rallyefahrer mitten in der Wüste dreimal geblitzt

Gute Stimmung: Für die Oldenburger Freunde Volker Fedrau (li.) und Jörg Wicker war die Benefiz-Dakar-Rallye eine beeindruckende Erfahrung für einen guten Zweck.

Gute Stimmung: Für die Oldenburger Freunde Volker Fedrau (li.) und Jörg Wicker war die Benefiz-Dakar-Rallye eine beeindruckende Erfahrung für einen guten Zweck.

Wicker/Fedrau

Oldenburg - Um in ihrem Leben auch mal geblitzt zu werden, mussten die Oldenburger Jörg Wicker (61) und Volker Fedrau (62) mit ihrem entspannten Wackeldackel auf der Hutablage – ein heiteres Tour-Geschenk der Kinder – nur tief genug in die marokkanische Wüste vordringen. Dreimal hat das Oldenburger Duo auf seiner humanitären Afrika-Rallye nach Dakar das Kunststück fertiggebracht – immer weit draußen, wo sich Schakal und Gazelle ,Gute Nacht’ sagen.

Knöllchen runtergehandelt

Weil die innerorts erlaubten 60 km/h gerne auch noch weit hinter der Stadtgrenze im Nirgendwo mit Laserpistole zu Geld gemacht werden, sollten die Beiden für 80 km/h, ihr Reisetempo, umgerechnet 40 Euro zahlen. Dann stieg der Polizist in die Verhandlung ein. Am Ende blieben statt offizieller 400 Dirham inoffizielle 200, sofort zu bezahlen, in bar, gerne ohne Beleg. Andere Länder, andere Sitten. An der Grenze zu Mauretanien, wo sie acht Stunden bei 40 Grad im Auto warten mussten, lief es ähnlich, dazu „völlig unkoordiniert, es war das reine Chaos, jeder hatte was zu sagen“, sagt Fedrau. „Unsere Maßstäbe gelten da nicht.“

„Bestes Auto im Stall“

Kuriose Tiefschläge dieser Art machten für die Rallyefahrer aus dem Norden aber einen Teil des Reizes aus. Auch der gute, alte W124 mit seinen 250.000 Kilometern auf dem Buckel kam trotz bester Präparation nicht völlig zickenfrei nach 6500 Kilometern Rüttelstrecke ins Ziel: Schon in Burscheid machte bei heftigem Regen der Scheibenwischer schlapp, die Sicherung, unter der Wüstensonne kochte mal der Motor, die Kühlbox fürs wichtige OLs Bier („Nüchtern“) zog die Batterie leer und der Schwingungstilger der Kardanwelle zerlegte sich auf rumpeligster Piste. Das war’s aber schon, und die Freunde fanden immer eine Lösung. Zumal ihr Benz „klar das beste Auto im Stall war: Statussymbol, guter Zustand, gute Reparierbarkeit, die Farbe, alles passte“, sagt Wicker über den kampala-braunen Dauerläufer im Benefiz-Tross mit seinen 20 Fahrzeugen.

Spenden fürs Waisenhaus

„Wir haben den höchsten Preis bekommen“, sagt der 61-Jährige über den Erlös ihres 34 Jahre alten 200 D bei der Versteigerung aller Autos der Dust-and-Diesel-Tour im Ziel zugunsten eines Waisenhauses in Mauretanien. Dass es mit 1050 Euro bei weitem nicht das war, was man in Deutschland für ein Auto in diesem Zustand erzielen würde, fand das „OL Stars“-Team ein bisschen schade. „Das wäre hier ein gutes Schnäppchen gewesen“, sagt Wicker. Aber zusammen mit eigenen Spenden, die sie von Oldenburgern mitgebracht hatten, auch von Vierol, konnten allein Fedrau und Wicker immerhin 3000 Euro für die Kinder überreichen, dazu die in jedem freien Winkel des Autos verstauten Malsachen, Kleidung, Spielzeug und Medikamente.

„Absolutes Erlebnis“

Dass Afrika nicht automatisch immer und überall heiß ist, wussten die Dakar-Fahrer schon vorher. Unterschätzt haben die Zelter die nächtliche Kälte aber dann doch. „Fès war fies“, sagt Fedrau und lacht. „Die Temperatur ist so runtergegangen, wir haben Stein und Bein gefroren in unseren Schlafsäcken.“ Dass Wüste eben Wüste ist, war ihnen ebenfalls bewusst. Aber die Fahrt durch Mauretanien hat ihre Vorstellungen noch getoppt: „Da ist nicht viel“, fasst Fedrau zusammen. Andererseits all die bunten Eindrücke gerade aus den Städten: ihr kleines Silvester mit den mitgebrachten Wunderkerzen in Marrakesch, der riesige Fischmarkt in Nouakchott, wo mehr als 8000 kleine Fischerboote nebeneinander auf den Strand gezogen liegen, die Nächte unter freiem Sternenhimmel, die Fahrt entlang der Atlantikküste, die schönen Stunden samt Fußballspiel mit den Kindern des Waisenheims.

„Das alles war ein absolutes Erlebnis“, sagt Fedrau über die Tour – „verbunden mit der Möglichkeit, zu helfen“, ergänzt Wicker. „Auch mit uns beiden hat das super geklappt. Natürlich kochen auch mal die Nerven, dann sagt man Klartext und fertig“, lacht sein Freund. „Wir starten jederzeit wieder.“

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Mehr Infos über das Waisenprojekt, auch für Spenden:

www.aepn.de

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Mehr Infos:

www.dust-and-diesel.com

Karsten Röhr
Karsten Röhr Redaktion Oldenburg
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