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nordwest-zeitung

Oldenburger Experte ist skeptisch So funktioniert das neue Organspende-Register

Die Entscheidung, ob man Organe spenden möchte oder nicht, kann im Organspende-Register ab sofort digital festgehalten werden.

Die Entscheidung, ob man Organe spenden möchte oder nicht, kann im Organspende-Register ab sofort digital festgehalten werden.

Imago / Jochen Tack

Im Nordwesten - Nach Schätzungen warten 8500 Menschen in Deutschland auf ein Spenderorgan. Noch immer gibt es nicht genügend Spenderinnen und Spender – das liegt zum einen an der fehlenden Bereitschaft zur Organspende und zum anderen daran, dass der Spendewille von Verstorbenen nicht immer leicht herauszufinden ist. Zumindest das zweite Problem soll nun angegangen werden: In einem neuen Online-Register sollen sich Spenderinnen und Spender einfach und schnell registrieren können.

Wie funktioniert das Organspende-Register ?

Das Register ist ein digitales Verzeichnis, in dem Bürgerinnen und Bürger ab 16 Jahren ihre Entscheidung für oder gegen eine Organ- und Gewebespende online mitteilen. Zu finden ist es online unter organspende-register.de. Ein Eintrag im Register ist freiwillig, kostenlos und kann jederzeit geändert oder gelöscht werden.

Die Einführung des Registers erfolgt stufenweise: Seit März 2024 gibt es die Möglichkeit, eine Erklärung mithilfe eines Ausweisdokuments mit Online-Ausweisfunktion, wie zum Beispiel dem Personalausweis, einzutragen. Bürgerinnen und Bürger müssen sich also online ausweisen, ehe sie sich in die Datenbank eintragen können. Dazu benötigen sie ein Smartphone mit der AusweisApp vom Bund.

Ab Juli sollen Entnahmekrankenhäuser an das Organspende-Register angeschlossen werden. Zur selben Zeit soll es für Versicherte möglich werden, das Register über ihre Krankenkassen-App zu erreichen und so ihre Entscheidung festzuhalten. Hierfür wird ein Smartphone mit der App der Krankenkasse sowie die elektronische Gesundheitskarte benötigt.

Chefarzt Dr. Mumme Schüller informiert über die Hüftkopfspende im Sankt-Josefs-Hospital Cloppenburg.

KRANKENHAUS CLOPPENBURG Wenn der Hüftkopf den nächsten Patienten erreicht

Cloppenburg

Was sind die Vorteile des Registers ?

Häufig ist der Organspendeausweis des Verstorbenen im Notfall nicht aufzufinden. Das neue Register erleichtert somit vor allem Ärzten und Ärztinnen die Arbeit, erklärt Markus Gerke, der Transplantationsbeauftragten des Klinikums Oldenburg: „Das Organspende-Register und die damit verbundenen wichtigen Daten sollen bei Bedarf verfügbar und schnell über eigens hierzu befähigte Personen der Kliniken abrufbar sein.“

Auch Angehörigen ist mit dem Register geholfen, sagt der Experte. Ist nämlich kein schriftlicher Wille hinterlegt, liegt die Entscheidung bei ihnen. „Viele Angehörige fühlen sich verständlicherweise überfordert und entscheiden sich womöglich auch aus Unsicherheit und Zweifel gegen eine Organspende“, so Gerke.

Welche Kritik gibt es am Organspende-Register ?

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz kritisiert, dass der Zugang zum Organspende-Register zu kompliziert sei. Diese Erfahrung machte auch das Klinikum Oldenburg bei einem Testlauf im vergangenen Jahr, erklärt Markus Gerke: „Dieser Vorgang ist aufgrund der hohen Sicherheitsanforderungen sehr aufwendig und stellt die Kliniken vor große Herausforderungen.“ Unzugänglich könnte das Register vor allem für ältere Menschen ohne Smartphone sein.

Der Transplantationsbeauftragte ist außerdem skeptisch, ob das Portal von vielen Bürgern und Bürgerinnen genutzt wird: „Es sollte viel mehr Aufklärung zum Thema Organspende geleistet werden. Zusätzlich sollte jeder bei Bedarf Hilfestellung beim Eintrag ins Register erhalten können.“

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Inga Mennen
Im Nordwesten

Bleibt der Organspendeausweis gültig ?

Der Organspendeausweis in Papierform ebenso wie Patientenverfügungen oder andere schriftliche Erklärungen können weiterhin genutzt werden. Laut dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte gilt immer die jüngste Erklärung, weshalb darauf geachtet werden sollte, dass sowohl die alte Erklärung als auch die neue digitale Erklärung übereinstimmen.

Warum sollte man sich ins Organspende-Register eintragen lassen ?

Im internationalen Vergleich liegt Deutschland weit zurück, was die Spendebereitschaft angeht, meint Markus Gerke: „Derzeit hat Deutschland über 83 Millionen Einwohner. Im vergangenen Jahr gab es hierzulande etwa 1,02 Millionen Sterbefälle, davon 965 Organspenden. Hier zeigt sich, dass eine Organspende ein höchst seltenes Ereignis ist.“ Und das, obwohl der Bedarf hoch ist: Die Liste der Menschen, die auf ein lebenswichtiges Spenderorgan warten, wächst mit jedem Tag. Und einige von ihnen warten vergeblich, sagt Gerke: „Täglich versterben Menschen, die auf ein lebenswichtiges Organ warten, darunter auch Kinder und Jugendliche.“

Maike Schwinum
Maike Schwinum Thementeam Soziales
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