Oldenburg - Eine Pressekonferenz in einer Stallgasse hat Mario Stevens in seiner langen Laufbahn bisher nicht erlebt – und dann auch noch auf seiner eigenen Anlage in Molbergen (Kreis Cloppenburg). „Ich finde die Idee echt cool“, sagt der 42-Jährige bei der Medienrunde anlässlich des Agravis-Cup 2024 in Oldenburg inmitten seiner Pferde: „Das gefällt mir, da es nicht so steril ist, sondern sehr persönlich und nah bei den Pferden.“
Fünften Titel im Blick
Vom 31. Oktober bis zum 3. November werden nationale, aber auch internationale Top-Reiter in der großen EWE-Arena in Oldenburg und der angrenzenden Weser-Ems-Halle in zahlreichen Dressur- und Springprüfungen um Titel und Preisgelder kämpfen. Einer der Höhepunkte ist dabei der Große Preis am Sonntag. 2022 und 2023 hatte jeweils Tim Rieskamp-Goedeking auf Coldplay diesen für sich entschieden. Dieses Jahr möchte Lokalmatador Stevens ein Wörtchen mitreden.
„Natürlich will ich in allen Springen gut aussehen“, sagt er. Der viermalige Sieger des Großen Preises wolle an den vier Turniertagen an allen Springprüfungen teilnehmen. Mit welchen Pferden er bei seinem Heimspiel an den Start gehe, entscheide der 42-Jährige allerdings erst kurzfristig. Im vergangenen Jahr hatte er beim Großen Preis, der auch in diesem Jahr mit 40 000 Euro am höchsten dotiert ist, das Stechen der Viersterne-Prüfung mit seiner neunjährigen Stute Carrie knapp verpasst. Nun wolle er „den fünften Sieg beim Großen Preis in Angriff nehmen“.
Besonderes Heimspiel
Für Stevens ist das Hallenturnier ohnehin eine Herzensangelegenheit: „Ich habe in Oldenburg als kleiner Junge im Schulreiten meine ersten Turniererfahrungen gesammelt, über L- und M-Springen bis hin zum Großen Preis. Dieses Turnier hat meine Karriere geprägt und es hängen viele schöne Erinnerungen daran.“ Es sei einfach ein schönes Gefühl, wenn man viele Zuschauer und Kollegen treffe, die man sonst nicht auf den Reitturnieren sehe, sagt der Molberger. „Das macht den Agravis-Cup so besonders“, erzählt Stevens im Gespräch mit unserer Redaktion. Im Jahr sei der zweimalige deutsche Meister und erfolgreiche Nationenpreisreiter sonst viel auf internationalen Turnieren unterwegs.
Freuen sich auf den Agravis-Cup in Oldenburg (von links): Oliver Schulze Brüning, Felix und Lena Haßmann, Hermann Mammen, Vivien Lübbe, Olaf Krause, Mario Stevens und Michael George Bild: Niklas Benter
Familiäre Atmosphäre
Das Oldenburger Traditionsturnier geht im neuen Format in sein drittes Jahr. Statt auf ein Hochglanzprodukt mit internationalen Stars setzt der Hauptsponsor Agravis seit 2022 auf ein „Turnier aus der Region für die Region“ – angereichert mit internationalen Top-Reitern. Und das kommt an. „Es ist sehr familiär. Wir als Reiter fühlen uns wohl und unsere Pferde auch“, sagt Stevens: „Das ist eine sehr gute Reputation für das Turnier. Und deswegen wird es immer mehr angenommen. Ich glaube, dass wir ein sehr gutes Turnier haben, das stetig wächst.“
Bis einschließlich 2021 hatte Kaspar Funke aus Emstek (Kreis Cloppenburg) mit seiner Agentur Escon das Turnier organisiert und hatte dabei das Agrarhandels- und Dienstleistungsunternehmen Agravis als Sponsor im Rücken. In jenem Jahr kam es allerdings zu einer Panne, als der Hallenboden nicht den Ansprüchen genügte. Mehrere Prüfungen mussten ausfallen, die Unruhe war groß. Danach kam es zur Trennung – ob die Bodenprobleme der alleinige Grund waren, blieb offen.
2022 richtete Agravis (beziehungsweise die Terres-Agentur) das Turnier dann erstmals hauptverantwortlich aus. Seit diesem Jahr ist der Pferdesportverband Weser-Ems (PSVWE) erstmals als Mitveranstalter dabei. „Das ist für uns eine besondere Ehre“, sagt der Vorsitzende Michael George. Die Reit- und Fahrschule Oldenburg (RFO) hingegen scheidet als Mitveranstalter aus. Der PSVWE schaue beim Agravis-Cup vor allem auf die Mannschaftswettbewerbe der Bezirksverbände Oldenburg, Emsland, Osnabrück und Ostfriesland. „Der Agravis-Cup ist ein imposantes Schaufenster für den Pferdesport in unserer Region sowie eine attraktive Plattform für den Austausch und die Förderung unserer Sportlerinnen und Sportler“, weiß George.
Bis zum offiziellen Nennungsschluss bleibe noch eine ganze Woche Zeit, berichtet der Sportliche Leiter Oliver Schulze Brüning unterdessen. „Wir machen seit einigen Jahren die Erfahrung, dass viele Nennungen erst auf den letzten Drücker erfolgen“, sagt er und verspricht: „Wir sind heute schon sehr sicher, dass wir auch in diesem Jahr ein attraktives Starterfeld begrüßen können.“ In den kommenden Tagen werde noch viel passieren, so Brüning.