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nordwest-zeitung

Hertha-Präsidiumsmitglied Ralf Thaeter Von Emden nach Moskau – Olympisches Abenteuer mit Goldmedaillen-Gewinnern und irrer Sowjet-Bürokratie

Eröffnungsfeier der Spiele 1980 im Lenin Stadion. Mit dabei in dieser Zeit in Moskau ein junger Emder namens Ralf Thaeter.

Eröffnungsfeier der Spiele 1980 im Lenin Stadion. Mit dabei in dieser Zeit in Moskau ein junger Emder namens Ralf Thaeter.

imago

Emden/Berlin - Mit Ralf Thaeter sitzt ein waschechter Ostfriese im Präsidium von Hertha BSC (siehe Interview). Thaeter beziehungsweise „Spiel + Sport Thaeter“ ist in Emden noch immer ein klangvoller Name. Viele Jahrzehnte prägte das 1952 gegründete Spielwaren- und Sportgeschäft in der Großen Straße den Einzelhandel der Stadt mit. Ralf und sein älterer Bruder Franz halfen als Kinder natürlich mit im elterlichen Betrieb – Regale ein- und ausräumen, die Fragen der Kunden beantworten, kassieren - gerade zur Weihnachtszeit war der Bär los.

Die Tätigkeit der Familie in der Sportartikel-Branche war auch ausschlaggebend dafür, dass die Brüder Olympia-Luft schnuppern durften. Zunächst arbeitete Franz Thaeter junior 1972 mehrere Wochen für einen Intersport-Händler bei den Olympischen Spielen in München. Für Vater Franz Thaeter senior war klar, dass auch sein jüngerer Sohn in den Genuss des internationalen Sportspektakels kommen sollte. Auserkoren hatte er die Spiele 1980 in Moskau. „Mein Vater konnte sehr gut planen. Ende der 1970er Jahre, ich war in der zehnten Klasse und das Abitur war noch weit weg, organisierte er einen privaten Sprachlehrer und hat mich dazu gebracht, russisch zu lernen“, sagt Ralf Thaeter.

Miruts Yifter

Wegen des Einmarsches der Sowjetunion in Afghanistan Ende 1979, boykottierten einige westliche Länder die Spiele oder traten unter der Olympischen Flagge an. Gleichwohl erlebte Thaeter als Verkäufer in einem Intersport-Shop im Olympischen Dorf aufregende Wochen. Zu seinen Kunden gehörte unter anderem der spätere zweifache Goldmedaillen-Gewinner Miruts Yifter aus Äthiopien (über 10.000 Meter und 5.000 Meter). „Den Trainingsanzug, den er bei uns gekauft hat, hat er bei der Siegerehrung getragen“, erinnert sich Thaeter.

Kaufte seinen Trainingsanzug im Intersport-Shop: Goldmedaillen-Gewinner Miruts Yifter (Mitte) aus Äthiopien. Bild: imago

Kaufte seinen Trainingsanzug im Intersport-Shop: Goldmedaillen-Gewinner Miruts Yifter (Mitte) aus Äthiopien. Bild: imago

Internationale Bekanntschaften

Weil es seinerzeit noch keine Ausrüsterverträge gab, kamen Sportler aus der ganzen Welt in das Geschäft und kauften dort ihre Ausrüstung. So lernte der Ostfriese das Team von Lesoto kennen („unglaublich fröhliche Leute“), machte Bekanntschaft mit dem Damen-Schwimmteam von Mexiko und verkaufte den auf Natur-Rasen eingestellten Hockey-Frauen aus Simbabwe Schuhe, die sich für den in Moskau genutzten Kunstrasen eigneten.

Administrativer Wahnsinn

Hängen geblieben ist auch eine Begegnung mit zwei Mexikanerinnen, die sich T-Shirts mit einem Aufdruck des offiziellen Maskottchens, dem Bären Mischa, zulegen wollten, sich nach der Anprobe aber dagegen entschieden. „Der Shop war ein einträgliches Devisen-Geschäft für die Sowjets. Im Lager saß eine russische Aufpasserin, die gesamte Ware war stets verplombt, gehörte eigentlich der sowjetischen Außenhandelsorganisation Beriozka und wurde immer nur bei Anfrage herausgegeben. Ein administrativer Wahnsinn, gerade, wenn Ware zurückging. Von Intersport wurden nur die Berater, also wir, gestellt“, sagt Thaeter.

Dr. Ralf Thaeter, in Emden geboren und aufgewachsen, sitzt im Präsidium von Hertha BSC. Bild: privat

Dr. Ralf Thaeter, in Emden geboren und aufgewachsen, sitzt im Präsidium von Hertha BSC. Bild: privat

Geschichten, die bleiben

Den Ärger über das komplizierte System im Hintergrund bekamen die beiden Mexikanerinnen ab. „Ich habe auf Deutsch zu meinem Kollegen gesagt: Diese Mexikaner können einem auf die Nerven gehen“, erzählt Thaeter und lacht. Blöderweise stellte sich heraus, dass es sich bei einer der beiden jungen Frauen um Elke Holtz handelte, eine Tochter deutscher Auswanderer und mexikanische Schwimmerin, und des Deutschen sehr wohl mächtig. „Solche Geschichten bleiben ein ganzes Leben“, sagt Ralf Thaeter und lacht. „Darum bin ich meinem Vater im Nachhinein sehr, sehr dankbar.“

Lars Möller
Lars Möller Emder Zeitung
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