Melbourne/Oldenburg - Der 6:0-Sieg gegen Marokko war ein Einstand nach Maß in die Fußball-WM. Man hat gesehen, dass die deutschen Mädels richtig Lust auf das Turnier haben und Spielfreude versprühen. Sie sind ein eingeschworener Haufen, auch nach den Wechseln in der zweiten Halbzeit hatten alle Lust, weiter Tore zu schießen und haben sich gezeigt. Defensiv haben sie nichts anbrennen lassen, was auch nicht selbstverständlich ist, gerade nach dem Ausfall von Marina Hegering. Kathrin Hendrich, die für Hegering die Rolle als Abwehrchefin übernehmen musste, hat das gut gemacht und auch die Verantwortung super angenommen.
Wenn man meckern möchte, hätten sie in der ersten Halbzeit vielleicht noch mehr Dominanz zeigen können. Am Ende haben sie es aber souverän runtergespielt. Man hat bei den Mädels das Gefühl, dass es einfach ein guter Mix ist. Wenn sich der so durch das Turnier zieht, dann haben sie auf jeden Fall gute Chancen auf den Titel.
Kea Eckermann ist 28 Jahre alt und arbeitet aktuell als Videoanalystin beim FC St. Pauli und ist bei der Berateragentur Fem11 im Scouting tätig. Vorher hat sie selbst Bundesliga und 2. Bundesliga gespielt und stand in der 2. Liga sowie in der Regionalliga beim TuS Büppel im Kreis Friesland als Trainerin an der Seitenlinie.
Dass es auch anders geht, haben die Französinnen gezeigt mit dem 0:0 gegen Jamaika. Gegner wie Marokko oder Jamaika sind zwar auf dem Papier nicht die größte Herausforderung, aber unterschätzen sollte man sie nicht. Solche Mannschaften steigern vielleicht nicht unbedingt die Qualität des Turniers.
Das Aufstocken auf 32 Mannschaften ist aber ein wichtiger Schritt, um mit den Männern gleichzuziehen oder zumindest nachzuziehen. Und die „kleineren“ Nationen bekommen so die Chance, eine WM zu spielen und sich an das Niveau zu gewöhnen.
Trotz der überzeugenden Vorstellung würde ich unsere DFB-Frauen nicht zum engeren Favoritenkreis zählen. Das sind für mich ganz klar die US-Amerikanerinnen und England. Die beiden Teams haben im ersten Spiel auch abgeliefert. Bei den Britinnen war es mit dem 1:0 gegen Haiti zwar etwas enger als vielleicht gedacht), aber sie haben den Ball gut laufen lassen und waren sehr dominant. Die Amerikanerinnen mussten gegen Vietnam nach dem 3:0 zur Halbzeit nicht mehr viel machen und haben verwaltet. Der Sieg war nie in Gefahr.
Mannschaften wie Frankreich, Deutschland oder auch Spanien können im Turnierverlauf aber zu einem Top-Favorit werden, vielleicht auch mit dem Quentchen Glück. Für Deutschland kann der gegen Marokko gezeigte Mix aus kompakter Defensive und gutem, organisiertem und zielstrebigem Spiel nach vorne das Mittel zum Erfolg sein.