Varel - Eine erfolgreiche und wohl auch herausfordernde Zeit liegt hinter Philipp Gründler. Denn während der VfB Oldenburg die 3. Liga wieder in Richtung Regionalliga Nord verlassen musste, durfte der Vareler als Chefanalytiker und Leiter der Scouting-Abteilung von Wehen Wiesbaden eine Liga nach oben – in die 2. Bundesliga. Und nebenbei hat Gründler das 18-monatige Programm „Management im Profifußball“ des DFB absolviert. Welchen Stellenwert der Aufstieg hat, wie seine Arbeit aussieht und wie stark die Verbundenheit zur knapp 500 Kilometer entfernten Heimat ist.
„Für den Verein hat das eine sehr große Bedeutung“, sagt Gründler über den Aufstieg in „die große Liga mit vielen Traditionsvereinen“. Gefeiert wurde dementsprechend, wenngleich sich der 30-Jährige etwas zurückhielt, „weil man gleich wieder den Fokus auf die Planung der zweiten Liga hat“, verrät er. „Wir hatten schon viel Vorarbeit geleistet, aber dann ging es erst richtig los.“ Der Aufstieg sei „eine Auszeichnung für die Arbeit, die wir im Verein geleistet haben“, am Aufgabenbereich habe sich aber nicht viel verändert. Man kann jedoch davon ausgehen, dass nun auch bessere Fußballer als Neuverpflichtungen in Frage kommen, auch wenn Gründler zu dem Thema lieber schweigt.
Interner Aufstieg
Die 2. Bundesliga bringt sportlich wie finanziell größere Möglichkeiten mit als die 3. Liga. Dementsprechend stehen auch während des Sommertransferfensters das Videoscouting und der Austausch mit dem sportlichen Leiter Paul Fernie an der Tagesordnung. Akribisch wird daran gearbeitet, für die kommende Saison ein möglichst schlagfertiges Team zusammenzustellen.
Dass nicht jeder Transfer voll einschlägt, ist normal. Aber „wenn man seine Hausaufgaben macht und Spieler durchleuchtet, erhöht man die Wahrscheinlichkeit, dass es auch erfolgreich wird“, betont Gründler. Das klingt simpel, ist in dem Geschäft aber vor allem eine Drucksituation. Zumal der studierte Sportmanager durch den 2021 erfolgten persönlichen Aufstieg vom Spielanalysten und Scout zum Chef beider Abteilungen mittlerweile mehr Verantwortung trage. „Wenn man in dem Bereich arbeitet, muss man damit umgehen können“, sagt der 30-Jährige.
Umgehen muss Gründler auch mit einer Eigenheit der Branche. „Im Fußball ist es schwer, irgendwas zu planen“, hält er seine ferne berufliche Zukunft offen. Erstmal sieht er diese in Wiesbaden: „Ich fühle mich hier sehr wohl.“ Mit seinem Posten sei bereits ein Traum in Erfüllung gegangen. Und wie es mit Träumen nunmal so ist, hat Gründler vielleicht bereits den nächsten im Kopf. Schließlich hat er das Programm „Management im Profifußball“ absolviert, für das der Verein ihn extra nominiert hatte. „Das ist schon eine große Ehre und etwas Besonderes“, zeigt sich Gründler stolz und dankbar für den Vertrauensbeweis von Geschäftsführer Nico Schäfer.
Lebensmittelpunkt
Das dort vermittelte „komplette Rundumpaket“ sei ein „guter Werkzeugkasten, den man als Führungskraft braucht“. Er und 15 weitere Absolventen namhafter deutscher Vereine wurden dabei „auf die bevorstehenden Aufgaben als Entscheiderinnen und Entscheider im Profifußball vorbereitet“, heißt es in einer Mitteilung des DFB. Dass Wehen Wiesbaden Gründler nicht grundlos nominiert hat, liegt auf der Hand. Mit ihm hat man augenscheinlich noch viel vor. Dass er beruflich nochmal nach Varel zurückkehrt, scheint angesichts der sportlichen Möglichkeiten eher unwahrscheinlich.
Ohnehin ist er als früherer Bayern-Fan und Praktikant bei Carl Zeiss Jena und nun eben Wiesbadener sportlich nicht gerade im Norden verwurzelt. Leben tut er in Taunusstein. Die Heimat liegt ihm trotzdem am Herzen: „Es ist immer schön, wenn man nach Hause kommt“, sagt Gründler, der heute in Taunusstein wohnt. Seine Eltern wohnen noch in Friesland, zwei-, dreimal im Jahr ist er zu Besuch.In die Heimat wird Gründler also zumindest privat immer wieder zurückkehren – unabhängig davon, wie viele Aufstiege der Vareler noch feiern darf.