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nordwest-zeitung

Abfälle in der Natur Illegale Müllentsorgung in Nordenham nimmt zu – Sofa im Graben gelandet

Alles andere als ein seltenes Bild: Hausmüll vor Altglas-Containern

Alles andere als ein seltenes Bild: Hausmüll vor Altglas-Containern

Nordenham - Sie versucht es mal mit Humor, mal mit unmissverständlichen Verboten und Strafandrohungen. Mittlerweile verfügt die Stadt Nordenham über diverse Schilder-Variationen, die alle ein Ziel haben: Sie sollen Bürgerinnen und Bürger davon abbringen, ihre Abfälle in die Landschaft zu werfen. Allerdings hält sich der Erfolg der Appelle in Grenzen. „Die Probleme mit illegal entsorgtem Müll nehmen immer mehr zu“, sagt Bauhofleiterin Judith Maas. Sie muss es wissen, weil ihre Leute dafür zuständig sind, die Hinterlassenschaften zu beseitigen.

Reifen und Bauschutt

Um Entsorgungskosten zu sparen, schrecken manche Zeitgenossen sogar nicht davor zurück, großteiligen Sperrmüll, alte Autoreifen, Bauschutt und Säcke voller Unrat an unbeobachteten Plätzen abzuladen. Das hat dann nichts mehr mit Bequemlichkeit zu tun, sondern erfordert schon ein gewisses Maß an krimineller Energie. Erst vor kurzem haben Bauhofmitarbeiter ein Sofa aus einem Graben an der Werftstraße in Einswarden gefischt.

33 Tonnen Müll im Jahr

Rund 360 öffentliche Mülleimer gibt es im Gebiet der Stadt Nordenham. Um die Leerung der Behälter und die Reinigung des Umfeldes kümmert sich ein Bauhofmitarbeiter. Er fährt die Standorte mit einem Pritschenwagen ab und kommt dabei auf rund 800 Leerungen in der Woche. Für die Innenstadt mit Marktplatz, Fußgängerzone und Tiefgarage ist ein gesondertes Team zuständig. Dort werden die Mülleimer täglich geleert.

Die Gesamtmenge an Müll, die der Bauhof im Jahr entsorgen muss, beziffert die Stadt Nordenham mit etwa 33 Tonnen.

Für die Abgabe verschiedener Abfälle aus privaten Haushalten steht in Nordenham der Recyclinghof an der Martin-Pauls-Straße 152 zur Verfügung. Die von der GIB-Entsorgung Wesermarsch betriebene Annahmestelle ist dienstags bis freitags von 8 bis 12.15 Uhr und von 13 bis 16.30 Uhr sowie sonnabends von 8 bis 12.30 Uhr geöffnet.

Wer auf verbotene Weise seinen Müll entsorgt, begeht eine Ordnungswidrigkeit, für die je nach Menge und Art des Abfalls ein Bußgeld bis zu 25.000 Euro anfallen kann. Wenn gefährliche Stoffe wie Altöl und Asbest im Spiel sind, handelt es sich bei den Vergehen sogar um Straftaten. Zuständige Überwachungsbehörde ist zwar der Landkreis Wesermarsch, aber das Wegräumen des Mülls übernimmt der Bauhof der Stadt Nordenham im Rahmen der Gefahrenabwehr.

Zeugen gesucht

Theoretisch könnte sich die Stadt die anfallenden Kosten vom Verursacher erstatten lassen, doch das ist nicht so einfach, weil der selten seine Visitenkarte hinterlässt. „Nur in einem von etwa zehn Fällen gelingt es uns, einen Verursacher zu ermitteln“, sagt Ordnungsamtsleiterin Sonja Brödje. Um eine illegale Müllentsorgung aufklären zu können, seien Zeugenhinweise oder eindeutige Indizien erforderlich. Wer eine solche Tat beobachtet hat, sollte sich daher umgehend an die Stadt Nordenham, den Landkreis Wesermarsch oder die Polizei wenden.

Bauhofleiterin Judith Maas hat zudem festgestellt, dass sich öffentliche Müllbehälter und die Standorte von Altglas-Sammelcontainern einer zunehmenden Beliebtheit in der illegalen Entsorgerszene erfreuen. Besonders auffällig ist das nach den Weihnachtsfeiertagen und Neujahr gewesen. Neulich mussten Bauhofbedienstete am Hohen Weg etwa 120 Kilogramm Hausmüll abfahren, der dort in Tüten abgelegt worden war.

Neuralgische Plätze

Der Hohe Weg in Friedrich-August-Hütte gehört zu den „neuralgischen Plätzen“, an denen das Aufkommen von illegalem Müll sehr hoch ist. Die weiteren Spitzenpositionen in diesem Ranking belegen die Martin-Pauls-Straße im Stadtnorden, der Marktplatz in Einswarden, der Buswendeplatz der Wesermarsch-Klinik in Esenshamm sowie die Parkplätze an der Deichgräfenstraße und bei der Moorseer Mühle.


Bauhof-Chefin Judith Maas, Ordnungsamtsleiterin Sonja Brödje und Stadtpressesprecherin Ivonne Solbrig machen sich keine Illusionen, dass sich das Problem der illegalen Müllentsorgung gänzlich lösen ließe. Aber sie erhoffen sich eine Verbesserung durch ein ganzes Bündel an Maßnahmen. Dazu zählen in erster Linie Informationen und Appelle. „Es geht um die Eigenverantwortung und die Haltung der Bürgerinnen und Bürger“, betont Judith Maas, „da müssen wir ansetzen.“

Überzeugungsarbeit

Beispiele für die Überzeugungsarbeit der Stadt Nordenham sind lustige bis mahnende Aufkleber auf den Mülleimern, Hinweisschilder an Container-Plätzen, Aufklärungsbroschüren, Jugendprojekte und die Aktion „Nordenham räumt auf“, die das nächste Mal am 21. September stattfindet. Zudem wurde das Personal im Ordnungsamt aufgestockt, um für mehr Sauberkeit in der Stadt zu sorgen.

Darüber hinaus prüft der Bauhof immer wieder die Standorte der Mülleimer, die je nach Frequentierung und Bedarf neu verteilt werden. Die Option, einfach gar keine Abfallbehälter mehr aufzustellen, kommt für Judith Maas nicht in Betracht. „Dadurch würde das Problem nur verlagert“, sagt sie. Das gelte ebenfalls für die mögliche Installation von Überwachungskameras. Abgesehen von den rechtlichen Hürden einer Videoüberwachung, die für jeden erkennbar sein müsse, würde der Effekt schnell ins Leere laufen und die abgeschreckten Müllsünder nur zu anderen Plätzen vertreiben.

In einem Graben in Einswarden haben unbekannte Täter diverse Arten von Müll hinterlassen. Auch ein Sofa war dabei. Bild: Stadt Nordenham

In einem Graben in Einswarden haben unbekannte Täter diverse Arten von Müll hinterlassen. Auch ein Sofa war dabei. Bild: Stadt Nordenham

Manchmal liegen Säcke voller Hausmüll direkt an der Straße – wie hier in Einswarden. Bild: Stadt Nordenham

Manchmal liegen Säcke voller Hausmüll direkt an der Straße – wie hier in Einswarden. Bild: Stadt Nordenham

An einigen Standorten hat die Stadt die öffentlichen Mülleimer mit Aufklebern versehen, um für Klarheit zu sorgen. Bild: Stadt Nordenham

An einigen Standorten hat die Stadt die öffentlichen Mülleimer mit Aufklebern versehen, um für Klarheit zu sorgen. Bild: Stadt Nordenham

Norbert Hartfil
Norbert Hartfil Redaktion Nordenham (Leitung)
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