Borkum - Seehunde gehören auf Borkum dazu. Gerade in den Sommermonaten von Mai bis Anfang August sind die Sandbänke vor der Strandpromenade mit den Säugern und ihrem Nachwuchs gefüllt. 2024 wurde ein Gesamtbestand von 8557 Tieren im Wattenmeer festgestellt. Darum, dass die kleinen Seehunde gut ins Leben starten können, kümmern sich die Wattenjagdaufseher auf Borkum. Einer von ihnen ist Jonny Böhm.
„Nur schauen, nicht anfassen“, das ist eine wichtige Regel für die Touristen auf Borkum. „Hat ein Säugetier erstmal einen anderen Geruch an sich, nimmt die Mutter es nicht wieder an“, sagt Böhm. Deswegen gilt es, wenn die Vermutung da ist, dass ein Tier Hilfe braucht, die Wattenjagdaufseher zu verständigen, anstatt selbst einzuschreiten. Das laufe besonders in den letzten Jahren immer besser. „Wir haben viel weniger menschengemachte Heuler, die Touristen halten sich gut an die Regeln.“ Bekommt Böhm einen entsprechenden Anruf, machen sich er oder einer seiner fünf Teamkollegen auf der Insel auf dem Weg zum Ort des Geschehens. Braucht das Tier Hilfe, fangen sie es ein und schicken es über die Fähre zur Seehundstation Norddeich. „Wir sind auf Borkum nur ein Außenposten und können nicht in dem Umfang Hilfe leisten, wie die große Station in Norddeich“, sagt Böhm. In der Seehundstation werden die Heuler untersucht, gefüttert und sobald sie dazu bereit sind, wieder in die Natur entlassen.
In den Sommermonaten können Touristen die Seehunde auf Borkum beobachten. Doch es gilt: Nur schauen, nicht anfassen. BILD: Andreas Behr
Mehr als „nur“ Seehunde
Diese Zusammenarbeit zwischen Insel und Festland laufe sehr gut und sei sehr häufig von Erfolg gekrönt. „Wir haben ein tolles und engagiertes Team sowohl hier auf Borkum als auch in Norddeich. So macht die Arbeit richtig Spaß“, sagt der Wattenjagdaufseher. Das Team auf Borkum besteht rein aus Ehrenamtlichen. Doch sie kümmern sich nicht nur um die Seehunde, sondern beispielsweise auch um die vielfältigen Seevögel auf Borkum. Seit einigen Jahrzehnten sind auch Kegelrobben wieder auf Borkum vertreten. Nach den 60er Jahren waren diese nahezu von der Insel verschwunden. Ein besonders großer Gast war vor ein paar Jahren ein Walross, das sich ins Wattenmeer verirrt hatte. „Das haben wir dann vorsichtig von Weitem beobachtet. Die Walross-Kuh hatte eine leichte Verletzung, die aber schnell wieder verheilt ist“, sagt Böhm.
Stabile Population
Der gebürtige Borkumer arbeitet seit rund 35 Jahren für die Tiere. „Es ist sehr wichtig. Die Seehunde sind ein bedeutender Indikator dafür, ob es dem Meer gut geht – eben dem Meer von und mit dem wir leben“, sagt der 59-Jährige. Und wie geht es den Seehunden aktuell? Obwohl es an anderen Stellen Rückläufe bei den Säugern gibt, ist die Zahl im Wattenmeer recht beständig, sagt Böhm aus seiner Beobachtung. Die Zahlen des Niedersächsischen Landesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES), die die Seehundepopulation im Niedersächsischen und Hamburgerischen Wattenmeer seit 1958 überwacht, zeigen, dass 2024 2019 neue Jungtiere registriert wurden, im Vorjahr 2023 waren es 2195. Es zeigt sich ein leichter Rückgang von 2711 Tieren im Jahr 2019. Die Anzahl der Seehunde erreichte 2020 ein Höchstniveau von 10.382 Tieren und lag 2024 bei 8557 Tieren. Wie sich diese Zahlen in Zukunft entwickelt werden lasse sich, sagt Böhm, nicht voraussagen. Doch eines sei sicher: „Unsere Arbeit wird auch in Zukunft ein wichtiger Beitrag für die Tiere und die Umwelt bleiben.“