Bunderhee - Er wolle doch nur eine moderne, tiergerechte, regionale Produktion für seinen Hof aufbauen, erklärte der Bauer vor Wochen in Bunderhee. Aber jetzt erlebt er, wie seine Pläne, einen Hähnchenmaststall zu bauen, das Dorf in Aufruhr versetzen. Eine Bürgerinitiative hat sich gegründet, und auch der Nabu Rheiderland sowie die Partei Die Linke sprechen sich gegen das Vorhaben aus – derweil der Landkreis Leer über den Bauantrag entscheiden muss.
Seit Mai liegt dort ein Bauantrag vor, bestätigt der Landkreis auf Nachfrage. Der Stall, der auf dem Gelände des Betreiberhofs entstehen soll, soll demnach eine Fläche von 3000 Quadratmetern haben und für 29.999 Tiere ausgelegt sein. Die seltsam anmutende Zahl rührt daher, dass ab 30.000 Tiere ein Verfahren nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz erforderlich wäre.
Gut besuchter Informationsabend
Das Ganze sei aber viel zu groß und zu nahe an den Naturschutzgebieten rund ums Dorf, befanden Babsy Liczywek, Carola Dams-Ostendorp und Helmut Seidemann, die erst einen sehr gut besuchten Informationsabend veranstalteten. Die beiden Frauen haben inzwischen auch eine Bürgerinitiative gegründet, die das Vorhaben stoppen will. Man gehe davon aus, dass immer mehr Menschen sich ihnen anschließen, lassen sie verlauten, „wenn ihnen bewusst wird, welche negativen Auswirkungen diese Mastanlagen – vor allem auch für die in nächster Nachbarschaft wohnenden Menschen – haben können und werden“.
Die Bürgerinitiative hat gewichtige Mitstreiter, etwa den Nabu Rheiderland. „Zusammen mit der BI wollen wir nichts unversucht lassen, dieses Bauvorhaben zu verhindern“, erklärt die Vorsitzende Agnes Ratering auf Nachfrage. Der Nabu führt Argumente auf, die im Tier- und Umweltschutz begründet sind. So spreche der Bauherr von einem gehobenen Standort und mehr Tierwohl. Aber zehn Prozent mehr Platz und ein Außenklimabereich würden das Tierleid nicht verringern. Hitze und mangelnde Bewegungsfreiheit würden zu Stress und erhöhter Infektionsanfälligkeit führen. In den umliegenden Kreisen Emsland und Cloppenburg sehe man, „dass die industrielle Massentierhaltung mittlerweile dramatische Folgen hat“. Das Grundwasser sei mit Nitrat und Phosphat belastet, schon lange sei die Nitritbelastung der Ems zu hoch. Studien der Tierärztlichen Hochschule in Hannover belegten außerdem, dass der Antibiotikaeinsatz in der Hähnchenmast am höchsten ist.
Lärmbelästigung durch vermehrten Verkehr
Lärmbelästigung durch den erhöhten Verkehr, Geruchsbelästigung durch Ammoniakimmissionen und keimhaltiger Feinstaub seien Auswirkungen, die das Rheiderland, insbesondere die direkte Nachbarschaft und die angrenzenden Schutzgebiete, nicht gebrauchen könnten. Das Vogelschutzgebiet Rheiderland, das Landschaftsschutzgebiet Norderkolk und das Naturschutzgebiet Süderkolk liegen in unmittelbarer Nähe, Einwirkungen durch die Luft und durch Abwässer werde man nicht verhindern können.
Furcht vor weiteren Stallprojekten
Auch Franziska Junker, die in Neukamperfehn, Samtgemeinde Hesel, wohnende Landesvorsitzende der Linken in Niedersachsen, unterstützt den Widerstand gegen den geplanten Hähnchenmaststall. Sie schließe sich den Bedenken des Nabu an. „Dieser Stall stellt nicht nur eine erhebliche Belastung für die Umwelt und die Gesundheit der Anwohnerinnen und Anwohner dar, sondern birgt auch das Risiko einer weiteren Ausbreitung industrieller Massentierhaltung in der Region. Solche Mastställe bleiben, wie die Erfahrung zeigt, selten allein – schnell wird ein weiterer hinzukommen.“ Zudem gebe es erhebliche Zweifel, ob der Bau im Rahmen des Raumordnungsprogramms überhaupt zulässig ist. „Hier muss geprüft werden, ob ein solcher Betrieb überhaupt in die regionale Planung passt. Der Schutz der Umwelt und der Lebensqualität der Menschen vor Ort sollte im Vordergrund stehen.“