Navigation überspringen
nordwest-zeitung

Reaktionen zur Insel-Tradition Das sagen Leser zur Kritik am Klassohm-Fest auf Borkum

Cord Coordes
Das Fest ist bekannt für die ausgefallenen Verkleidungen der „Klaasohms“ – und seit Kurzem auch für Gewalt gegen Frauen.

Das Fest ist bekannt für die ausgefallenen Verkleidungen der „Klaasohms“ – und seit Kurzem auch für Gewalt gegen Frauen.

dpa

Borkum - Das Klaasohm-Fest auf Borkum hat in den vergangenen Tagen für viel Wirbel gesorgt. Die Reaktionen fallen dabei mit großer Mehrheit sehr kritisch aus. Auch auf NWZonline und in den sozialen Medien wird energisch über den kontroversen Insel-Brauch diskutiert – hier finden sich jedoch auch einige Befürworter.

Klaasohm – eine wertvolle Tradition auf Borkum?

Es gibt viele Kommentare, in denen behauptet wird, die Bräuche des Festes würden falsch oder nur einseitig dargestellt. Gleichzeitig wird das Argument vorgebracht, es handle sich um eine schützenswerte Tradition, also ein Stück Insel-Kultur. „Klaasohm-Fest, eine Tradition die den Zusammenhalt der Insulaner feiert. Ich selbst habe 1985/1986 dort gelebt. Die Stimmung vor Klaasohm ist besonders und die Freude groß, so habe ich es damals erlebt. Leider wird das Fest in den Medien nun auf diesen einen Part reduziert, was ich sehr schade finde“, kommentiert etwa ein User auf Instagram. Und damit ist er nicht allein. „Die spinnen doch so bei Kleinem. Hier wird doch eine alte Tradition vorgelebt. So langsam ist es aber genug mit Diskriminierung. Wir waren schon öfters dabei, meine Tochter und ich, alles toppi“, lautet ein Kommentar von Rudolf F. auf NWZonline.

„Klaasohm“ auf Borkum: Beim Brauch auf der Nordseeinsel stürzen sich mit Masken verkleidete Männer des Vereins „Borkumer Jungens“ am Abend in der Innenstadt von einer Litfaßsäule in die Arme der Schaulustigen. Das Fest steht wegen Gewalt gegen Frauen in der Kritik.

BORKUMER VOLKSFEST IN DER KRITIK Warum Frauen bei „Klaasohm“ bis 2024 Schläge auf den Hintern befürchten mussten

Arne Erik Jürgens
Borkum

Andere schreiben ergänzend noch, dass Außenstehende sich ohnehin nicht in die Insel-Kultur auf Borkum einmischen sollten, und sehen in dem Medien-Rummel ein Beispiel für ausufernde politische Korrektheit. „Ist doch ganz einfach, wer daran nicht teilnehmen möchte, bleibt halt daheim. Das ist eine Tradition der Einheimischen dort, und ob oder in welcher Form diese Tradition fortbesteht, ist deren Sache und geht niemanden etwas an. Die Menschen dort können sehr gut auf sich selbst aufpassen und ihre eigenen Entscheidungen treffen, da braucht es keinen Sturm der Entrüstung von den ganzen Gutmenschen und politisch Korrekten hier“, schreibt ein anderer Instagram-Nutzer.

Unverständnis und Verärgerung über Klaasohm auf Borkum

Auf der anderen Seite stehen diejenigen, die den Brauch für aus der Zeit gefallen und frauenverachtend halten. „Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen, in der letzten Woche sind Frauen gegen Frauengewalt auf die Straße gegangen, und heute gehen Borkumer Frauen auf die Straße für eine gewaltverherrlichende und frauenverachtende Tradition“, schreibt ein Nutzer auf Facebook.

Viele machen in ihren Kommentaren den Druck innerhalb der Inselgemeinschaft dafür verantwortlich, dass der Brauch so lange toleriert wurde und auch aktuell noch verteidigt wird. „Das Problem ist doch, wer anderer Meinung als Borkumer wäre, hätte auf dieser Insel keine Chance mehr. So läuft das dort. Wenig überraschend, dass diese im geistigen Mittelalter stehengebliebenen Anhänger frauenfeindlicher Rituale das auch noch verteidigen“, kommentiert beispielsweise ein anderer Nutzer auf Facebook. Der öffentliche sei Druck wichtig, um sich von der Tradition zu verabschieden, findet wiederum Markus K.. „Diese Männer möchten auch nicht verstehen, dass es auf der Insel eine Atmosphäre der Angst gibt, sich zu diesem Thema kritisch zu äußern. Daher ist es folgerichtig, dass diese unsägliche Tradition durch öffentlichen Druck abgeschafft wird. Viele Frauen auf der Insel werden erleichtert aufatmen und froh sein, dass dieser Wahnsinn nun ein Ende hat“, argumentiert er auf NWZonline.

Sie haben auch eine Meinung zur Kontroverse rund ums Klaasohm-Fest? Dann diskutieren Sie einfach mit – in den Kommentarspalten auf NWZonline, bei Facebook oder auf Instagram. Bei einigen der hier zitierten Kommentare wurde die Rechtschreibung zur besseren Lesbarkeit korrigiert.

Kommentar
Aus der Zeit gefallen oder wichtige Tradition? Beim „Klaasohm“-Fest wurden bis zum vergangenen Jahr Frauen gejagt und mit Kuhhörnern auf den Hintern geschlagen, bevor sich mit Masken verkleidete Männer am Abend von einer Litfaßsäule in die Arme der Schaulustigen stürzten.

KOMMENTAR ZU VOLKSFEST AUF BORKUM Geschlagene Frauen konnten sich Gewalt bei „Klaasohm“ nicht aussuchen

Arne Erik Jürgens
Borkum
Lade ...
Themen