Oldenburg - Die Karre steht schon vor der Tür, am Kleinen Kuhlenweg in Donnerschwee. Steinalt und unscheinbar, aber immerhin: Die – rein zufällige – Farbe klingt perfekt für den Plan von Jörg Wicker (61) und Volker Fedrau (61): impala-braun. Besser geht es ja kaum für eine Afrika-Rallye nach Dakar. Ende Dezember wollen die beiden Oldenburger mit ihrem 34 Jahre alten, legendär unkaputtbaren 200 D der Modellreihe W124 aufbrechen: mit 72 PS von Oldenburg über Tarifa, Fés und Marrakesch entlang der wilden marokkanischen Atlantikküste und durch die mauretanische Sahara ins Sénégal. 6000 Kilometer sind das, die eigentliche Rallye ab Tanger mehr als 3000 Kilometer. Für das Abenteuer und den guten Zweck. Ihren Mercedes verkaufen Wicker und Fedrau kurz vor dem Ziel für ein Deutsch-Mauretanisches Hilfsprojekt für benachteiligte Kinder in Mauretanien.
„Kat hat er auch“
So machen es alle, die an der Amateurrallye teilnehmen. Mit bis zu 25 Fahrzeugen und einem Mechaniker, aufgeteilt in Kleingruppen, geht es für drei Wochen – vom 28. Dezember bis 15. Januar – nach St. Louis, nördlich von Dakar. Ihr altes, aber immer noch verheißungsvolles Schätzchen haben die Oldenburger per Anzeige in Wilhelmshaven aufgetrieben. Volker Fedrau, der als Projektmanager für den süddeutschen Übertragungsnetzbetreiber TransnetBW arbeitet und den Anstoß von Kollegen bekam, sagt: „Man muss entsprechendes Material haben. Diese Mercedes-Klasse ist dafür prädestiniert. Dazu habe ich bei ersten Testfahrten maximal 6,3 Liter Diesel gebraucht, einen Kat hat er auch.“
Was alles mit muss
Fast fünf Monate ist noch Zeit, aber die beiden Freunde stecken schon mitten in den Vorbereitungen: Ihr Rallye-„Impala“ muss auf harter Piste durchhalten, da helfen den beiden auch die Autoschrauber von Harms um die Ecke, dazukommen Zelt, Schlafsack, Campingkocher, Ersatzreifen, Extrakanister, Schweißerbrillen gegen Sandstürme, alles, was man in der Wüste braucht. Das Vertrauen in den alten Benz, der für einen Diesel verträgliche 250 000 Kilometer auf dem Buckel hat, ist groß. Volker Fedrau, der autotechnisch vorbelastet ist, sagt: „Ich habe gefühlt: Aus dem Ding kann man was machen. Der ist grundsolide, und dann hat er auch noch ganz kuschelige, aber auch gut gefederte, etwas schaukelige Stoffsitze, fühlt sich wie’ne Federkernmatratze an.“ Auf die Frage, welche Teile auf so einer Tour denn wohl am meisten strapaziert werden, lachen beide: „Wir!“ Trotz einer Reisegeschwindigkeit von gerade mal 80 km/h. Immerhin haben sie mit ihrem impala-braunen 200 D das einzige und damit auch schnellste „Impala“ Westafrikas unterm Hintern. Die rennen nämlich vorzugsweise in Ostafrika, zickzack, mit bis zu 90 Kilometern pro Stunde.
Abenteuer für Freunde
Jörg Wicker sagt: „Wir hatten Lust, mal was Besonderes zusammen zu machen. Das ist Abenteuer. Ich freue mich vor allem auf die Strecke am Atlantik.“ Vor „den langen Wüstenetappen und den Temperaturwechseln zwischen Hitze und Kälte tags und nachts“ hat der Geophysiker, der 30 Jahre im Ausland gearbeitet hat, aber durchaus Respekt. Insgesamt gebe es kein großes Risiko, zumal es nur ums Ankommen gehe und in der Gruppe gegenseitige Hilfe großgeschrieben werde. „Es geht vor allem um die vielen und unvergesslichen Eindrücke“, sagt Volker Fedrau. Dafür verzichten sie gern auf jede Art von Luxus – sogar auf ihr kühles Bier. Immerhin reisen sie unter dem Team-Namen „OL-Stars“ – „wir könnten allerdings auch sehr gut OLs-Stars“ heißen, witzelt Wicker. Fedrau: „OLs trinken wir nämlich auch gerne, aber nur naturtrüb.“
Wer den beiden Oldenburger Benefiz-Rallyefahrern noch zusätzliche Sachen für den AEPN-Kinderhort in Mauretanien mitgeben möchte, vor allem Schreibmaterial wie Stifte, oder als Sponsor „an Bord“ möchte, kann sich bei Jörg Wicker unter 01711/223399 melden.