Cloppenburg - Um künftig auch das Thema „Busreisen“ für eine signifikante Steigerung der Besucherzahlen zu nutzen, plant das Museumsdorf Cloppenburg möglicherweise eine externe Beratungsfirma einzuschalten. Museumsdirektor Dr. Torsten W. Müller hofft, dadurch demnächst „nicht nur Gäste aus Lohne, sondern auch aus dem Schwarzwald begrüßen“ zu können, sagte der 42-Jährige am Donnerstag bei einem Pressegespräch.
Seit Jahren – bis auf die Corona-Zeit – empfängt das Museumsdorf zwischen 250.000 und 290.000 Gäste und ist damit eines der besucherstärksten Museen in Niedersachsen. Ende der 70er/Anfang der 80er-Jahre seien es schon einmal rund 400.000 Menschen gewesen, so Müller weiter. Mit der Besucherzahl für das bald zu Ende gehende Jahr sei er im Übrigen sehr zufrieden: Insgesamt 270.000 Personen hätten die Kassenhäuschen passiert. Besuchermagneten waren einmal mehr die Dorfpartie am Himmelfahrtswochenende (40.000), der just zu Ende gegangene Nikolausmarkt (30.000), die Dorfkirmes im Juli (15.000) und das Erntedankfest (5000).
Geflügelpest
Die zurzeit auch im Landkreis Cloppenburg grassierende Geflügelpest hat auch Auswirkungen auf das Museumsdorf: So sind rund 15 Gänse in ihrem Stall eingesperrt, die eigentlich – wie ihre Vorgänger in den Jahren zuvor auch – schon längst hätten geschlachtet werden sollen. Damit erleben nun erstmals Gänse Silvester im Museumsdorf.
Musikausstellung
Unterdessen konzipiert Dr. Sandra Witte derzeit eine Ausstellung, die am 11. Mai 2025 im Obergeschoss der – sich auf dem Museumsgelände befindlichen – Landdiskothek „Sonnenstein“ eröffnet werden soll. Sie hat u.a. die Anfänge der hiesigen und bundesweit bekannten Bands „Trio“ (aus Großenkneten) und „Scooter“ (Frontmann H.P. Baxxter kommt aus Leer) zum Thema. Außerdem widmet sie sich der Schlagersängerin Renate Kern, deren Stern im „Sonnenstein“ aufging.
Bestandsgebäude
Derweil hat der Museumsdirektor am 8. November nun endlich den Förderantrag für die Sanierung der Bestandsgebäude bei der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (Bonn) abgegeben. Nun habe diese drei Monate zur Bearbeitung Zeit, bevor es dann hoffentlich grünes Licht für den Beginn der Ausschreibungen gebe. Bekanntlich soll die Summe von Bund (3 Mio. Euro), Land (2,4 Mio.), den Kreisen Cloppenburg und Vechta sowie der Stadt (zusammen den Rest) finanziert werden. Die Antragstellung gestaltete sich aber deutlich komplizierter als gedacht, weil der Bund jedes der 60 Gebäude als einen einzelnen Sanierungsfall betrachtet. Seit März 2023 war die Museumsdorf-Baukoordinatorin Elke Drzymalla fast mit nichts anderem beschäftigt, als mithilfe von Ausmessen und historischen Zeichnungen aktuelle Gebäude-Übersichten zu erstellen und Bauvolumina zu ermitteln. Sage und schreibe 640 Seiten stark ist der Antrag am Ende geworden.
Zwei Museumsgebäude konnten und können nicht auf das Eintreffen des Geldes warten. Das Saterhaus ist bereits fertig, nun wollen sich Verantwortlichen an die Balken und Dachhaut der Zaunscheune beim Hof Hoffmann machen. Das kostet insgesamt 150.000 Euro, je 50 Prozent kommen vom Freundeskreis und aus dem Museumshaushalt.
Zentraldepot
Noch ganz am Anfang stehe das Museumsdorf, erklärte Müller, wenn es um die Realisierung des geplanten Zentraldepots gehe. Ende September hatte der Bund zugesagt, die Hälfte der Kosten für den rund 25 Mio. Euro teuren Bau zu übernehmen. Dies passiert allerdings nur unter der Voraussetzung, dass die andere Hälfte von Land, den beiden Landkreisen und der Stadt im Rahmen des oben genannten Schlüssels übernommen wird. „Da haben wir noch einige dicke Bretter zu bohren“, macht sich Müller nichts vor. Die teilweise heute unsachgemäß gelagerten 400.000 Museumsexponate müssten schnellstmöglich in moderne Depots überführt werden, denn deren Zustand werde mit der Zeit nicht besser. Für den Fall, dass es nichts mit der Co-Finanzierung werde, brachte Müller einen Kredit ins Spiel, den das Museumsdorf aufnehmen und dann peu à peu wieder abzahlen könnte.
Personalien
Im kommenden Jahr wird im Übrigen eine Institution in Rente gehen: Maria Thien verlässt nach 35 Jahren als Mitarbeiterin der museumspädagogischen Abteilung das Museumsdorf. Müller hofft, schnellstmöglich eine Nachfolge zu realisieren, damit Thien die entsprechende Person noch einarbeiten kann. Zudem sucht das Museumsdorf noch einen zweiten Hausmeister, der jetzige könne vor allem die Vorbereitung der Großveranstaltungen nicht mehr alleine stemmen.