Garrel - Aus dem „Todeshof“ an der Letherfeldstraße soll das neue Tierheim für den Landkreis Cloppenburg werden. Der Landkreis Cloppenburg hat das Gelände gekauft. Dort könnten in einem Neubau rund 100 Katzen, 20 Hunde sowie einige Kleintiere in Zukunft Platz finden, nachdem der Neubau in Sedelsberg nicht möglich wurde. Bei den Anwohnern stößt die Standortwahl auf deutliche Kritik.
Kritik der Anwohner
Die Errichtung eines Tierheims auf dem Hof, auf dem der Landwirt Hunderte Schweine verenden ließ, wirke „makaber“, zumal die Taten seinerzeit nicht wirklich geahndet werden konnten. Der Landkreis habe mit seinem Angebot sogar am Kauf interessierte Familien ausgestochen, werfen Alexandra Grave und Lebensgefährte Martin Tapken, die rund 150 Meter entfernt vom Hof wohnen, dem Landkreis vor. Zur Höhe des Kaufpreises äußerte sich der Landkreis auch auf Anfrage unserer Redaktion nicht.
Vor allem prangert das Paar die fehlende Kommunikation an. Denn sie hätten erst aus der Zeitung von den Plänen erfahren. Sie seien wie die übrigen angrenzenden Nachbarn weder vorab informiert noch um ihre Meinung gebeten worden. „Wir fühlen uns übergangen“, schreiben die Anwohner in einem Brief an Landrat Johann Wimberg, der unserer Redaktion vorliegt.
„Ihr geplantes Vorhaben hat direkten Einfluss auf unser tägliches Leben und schränkt uns in vielen Bereichen ein, vor allem, weil wir ja selbst Hunde haben; von der Lärmbelästigung mal abgesehen“, echauffieren sie sich. Die sehen sie nicht nur durch lautes Hundegebell – in das Hunde auf umliegenden Höfen einstimmen –, sondern auch durch Baulärm und erhöhtes Verkehrsaufkommen von Besuchern auf sie zukommen – zumal bei Veranstaltungen auch an den Wochenenden. Zudem fehle es an Infrastruktur, die Straße sei eh viel zu eng, Fahrradwege und Straßenbeleuchtung seien nicht vorhanden.
Für den Landkreis Cloppenburg erklärte Pressesprecher Frank Beumker auf Anfrage unserer Zeitung: Der Landkreis habe das Grundstück auf dem Gebiet der Gemeinde Garrel gekauft, nachdem es den Kreisgremien zur Beratung vorgelegt worden sei. Die für die Unterbringung von Fundtieren zuständigen Städte und Gemeinden hätten sich „verbindlich gegenüber dem Landkreis erklärt, dass die Maßnahme mit Unterstützung des Landkreises zentral an einem Standort umgesetzt werden soll“. Da der Kauf gerade erst erfolgt sei, werde sich der Landkreis nun „kurzfristig hinsichtlich der weiteren Umsetzung für den Neubau eines Tierheimes mit den kreisangehörigen Städten und Gemeinden abstimmen“.
Die Fragen zur Infrastruktur könnten erst im weiteren Planungsprozess mit den kreisangehörigen Städten und Gemeinden abgestimmt und zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht vollständig beantwortet werden. „Hier bitte ich noch um etwas Geduld, um weitere Aussagen zur zeitlichen und räumlichen Planung machen zu können“, so Beumker. Die Gemeinde Garrel wird eine vorhabenbezogene Bauleitplanung durchführen. Die Öffentlichkeit wird im Zuge der vorgeschriebenen Auslegung beteiligt. Im Bebauungsplan werden die planungsrechtlichen Anforderungen für den Standort des Tierheims definiert.
Auch Schallschutzgutachten werden laut Kreis-Pressesprecher Beumker erforderlich sein. Noch ist der Landkreis aber nicht in das Grundbuch eingetragen, daher hat auch noch keine offizielle „Schlüsselübergabe“ stattgefunden. Erst dann kann der Landkreis rechtlich erste Maßnahmen ergreifen.
Viele Fragen offen
Gerade angesichts der Vorgeschichte des Hofes hätten sie „absolute Transparenz“ für notwendig gehalten. Die Anwohner fordern die Beantwortung einer Vielzahl von Fragen: Warum fiel die Entscheidung für den Standort Garrel und gegen die drei anderen Standorte?
Warum wird das vorhandene Tierheim nicht erweitert? Wie wurde der gebotene Preis festgelegt? Gibt es bereits Planungen und ein Konzept? Sind Kosten für Abriss und Rückbau überhaupt planbar? Welche Auflagen würden für das Tierheim und welche für die Anwohner gelten, und welche Rechte behalten die Anwohner? Und warum wird eine leerstehende Hundepension, nur wenige hundert Meter vom Tierheim in Sedelsberg entfernt, nicht in Betracht gezogen? Für sie aber am wichtigsten: Warum wird das Tierheim nicht in einem Industrie- oder Gewerbegebiet errichtet, wo keine Anwohner betroffen sind?
Das sagt der Bürgermeister
Garrels Bürgermeister Thomas Höffmann betont, dass Anwohner im Zuge der Bauleitplanung die Gelegenheit hätten, ihre Einwände zu äußern. Sollte die zentrale Lösung nicht zum Tragen kommen, müsste jede Kommune selber eine Tieraufnahmeeinrichtung anbieten – mit erheblichem Aufwand.
Die zwölf direkten Anwohner der Letherfeldstraße und des Schuldamms fühlen sich durch dieses Argument massiv unter Druck gesetzt und monieren, dass ihnen die politische und gesellschaftliche Verantwortung für das Tierheim auferlegt werde.