Ostfriesland - Die fusionierten Unternehmen Rector und Schuirmann haben nach eineinhalb Jahren nun doch Insolvenz für die im Frühjahr neu benannte Bäckerei „Der Backfriese“ anmelden müssen. Das Unternehmen war mit neuem Antrieb gestartet und hatte die gut funktionierenden Produkte übernommen. Inzwischen ist die Rector-Backstube in Georgsheil verkauft worden, nur die Filiale blieb dort erhalten. Die Fusion habe „nicht die erwarteten Effekte gezeigt“, sagt die Firmenleitung. Weitere Informationen waren auf Nachfrage nicht zu erhalten.
Die beiden Unternehmen hatten vor gut eineinhalb Jahren fusioniert. „Wir äußern uns dazu nicht“, hieß es in der Bäckerei-Zentrale in Berumerfehn. Wie die Angestellten in den Filialen die Lage sehen? Hinter den Verkaufstresen ist die Bereitschaft verhalten, sich öffentlich und ohne Rücksprache mit der Chefetage zu äußern. Auch seitens des Düsseldorfer Insolvenzverwalters Roman-Knut Seger war bis zum Erscheinen dieses Artikels noch keine Stellungnahme zu erhalten.
Hilfen bei der Handwerkskammer suchen
Bei der Handwerkskammer gibt es indessen Mechanismen, um solche Insolvenzen möglichst im Vorfeld abzuwenden, nämlich in Form von umfassenden Beratungsangeboten. „Wenn die Betriebe schon mit dem Rücken an der Wand stehen, ist es oft schon zu spät. Besser ist fünf vor zwölf, damit noch Chancen bestehen“, sagt Helge Valentien, Leiter der Betriebsberatung.
Um aus der Krise zu kommen, brauche es jedoch einen „langen Atem“, um etwa neue Strukturen aufzubauen. „Das geht dann nicht von heute auf morgen“, so Valentien. Zu beobachten seien durch den Bäckereiverband sogar viele kombinierte Bäckerei- und Café-Neugründungen.
Macht das Industrie-Brötchen das Rennen?
Dass der Supermarkt, der im selben Gebäude preiswerte Industrie-Brötchen und -brote anbietet, den Handwerksbetrieben letztlich auf lange Sicht das Wasser abgräbt, sieht Valentien ebenfalls nicht. Die Schließungen von Betrieben lagen 2022 noch bei vier Prozent, während es 400 Neugründungen gab. „Dass in zehn Jahren alle nur noch Industrie-Brötchen essen, wird nicht so gesehen“, betont der Hwk-Berater. „Der Bäckereiverband sagt hier ganz klar: Nein!“, betont Valentien. Es habe jedoch im Bäckerei-Handwerk immer wieder Insolvenzen gegeben - wie in anderen Handwerkssparten auch. „Vielleicht sind betriebliche Fehlentscheidungen die Gründe. Aber da stecken wir als Kammer nicht immer drin“, so Valentien.
Brot gehört zum Speiseplan dazu
Grundsätzlich gehören Brotwaren und Konditorwaren bei den Deutschen schon immer auf den Speiseplan. Seitens des Bäckereiverbandes seien nach einer Erhebung aus dem Jahr 2023 die Zahlen der Verkaufsstellen und des Personals sogar unverändert stabil. Höhere Kosten, etwa durch einen höheren Mindestlohn, gestiegene Kosten beim Getreide oder bei Strom und Gas würden die Betriebe an die Kunden weitergeben. „Das wird durchaus auch vom Kunden mitgetragen“, macht Valentien nach 20 Jahren als Berater die Beobachtung.
Und was ist mit den Mitarbeitern? Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten berät angeschlagene Firmen, aber in der Region gäbe es keine Bäckerei mit Betriebsrat. „Wir erhalten aufgrund der geringen Mitgliederanzahl nur wenige Infos aus den Betrieben erhalten“, teilt Gewerkschaftssekretärin Inga Stemmer mit. „Wir wissen schlichtweg oftmals nicht, was in den Betrieben passiert. Eine Insolvenz aufhalten können wir leider nicht“, betont sie, weil es sich um wirtschaftliche Entscheidungen des Arbeitgebers handele.