Carolinensiel/Spiekeroog - Es war damals ein Husarenstück: Am 2. März 1929 starteten sechs Männer mit Motorrädern von der Friedrichsschleuse in Carolienensiel aus eine Tour über das zugefrorene Watt nach Spiekeroog. Dieses Abenteuer blieb einmalig, doch immer noch wird daran erinnert und der „Seehundrallye-Virus“ weitergegeben. Jetzt trafen sich wie jedes Jahr rund 30 Biker in Carolinensiel, um in Erinnerungen zu schwelgen.
Sechs Biker wagten Überfahrt
Freilich ist niemand der damaligen Akteure unter den Lebenden. Richard Becker, Martin Tannen, Theodor Janshen, Rudi Buss, Heino Fleßner und Hugo Syassen zählten 1929 zu der wagemutigen Truppe. Über das Eis brachten sie Lebensmittel von Müller Schmidt und Post aus Carolinensiel nach Spiekeroog. Die Insel war schon seit Wochen durch Packeis von der Außenwelt abgeschnitten.
Das Sextett startete um 7.35 Uhr an der Friedrichsschleuse und benötigte nur 35 Minuten bis Spiekeroog. Dort wurden die Motorradfahrer mit großem Hallo und steifem Grog begrüßt. Nie zuvor und auch nicht danach gelang ein solches Unternehmen; der Mythos „Seehundrallye“ war begründet.
Wie der Name „Seehundrallye“ entstand
1967 regte der damalige Gemeindedirektor Wilhelm Menking, ein begeisterter Motorradfahrer, ein Treffen unter diesem Namen an. Es findet seither stets am ersten März-Wochenende statt und zog zeitweise mehrere hundert Biker aus Deutschland, Österreich und der Schweiz an.
Heute pflegen die Motorrad-Enthusiasten die Tradition in kleinerem Rahmen: Hans-Werner Budnick und Günter Graalmann organisieren das Treffen, das noch einen Gegenpol hat: Am ersten September-Wochenende trifft sich dieselbe Runde am 1852 Meter hoch gelegenen Zeinisjoch. Der Hochalpenpass kennzeichnet die Wasserscheide zwischen dem Schwarzen Meer und der Nordsee.
Ostfriesische Tradition im Vordergrund
Nachdem die Veranstaltung von Auswüchsen begleitet war, die Willi Menking nicht verantworten wollte, wurde es ruhig um die „Sehundrallye“. Aber die beiden Carolinensieler, die schon als Jugendliche die schweren Maschinen bewundert hatten, pflegen die Tradition und die Freundschaft unter den inzwischen ergrauten Bikern weiter. Boßeln, Grünkohlessen und „Benzingespräche“ stehen im Vordergrund und so war es auch in diesem Jahr.