Oldenburg - „Ein Stadion-Neubau an der Maastrichter Straße ist machbar, alle Problemstellungen, auch die Finanzierung, sind lösbar.“ Oberbürgermeister Jürgen Krogmann (SPD) sieht in den nun vorliegenden Daten die Grundlage, durch einen positiven Ratsbeschluss für den Stadionbau am 15. April eine 30 Jahre währende Diskussion zu beenden – und Profifußball auch künftig in Oldenburg zu ermöglichen. Er sieht darin auch eine Weiterentwicklung der Stadt. Der Bau sei „wirtschaftlich vertretbar“.
Was wird das Stadion kosten ?
In der Funktionalplanung des Büro Albert Speer + Partner (Frankfurt) sind Grundkonzeptionen für die Kapazitätsvarianten 7500 und 10 000 Plätze sowie für eine perspektivische Erweiterung auf 15 000 Plätze (auf die vorausschauend die Bauleitplanung ausgerichtet ist) enthalten. Für den Ratsbeschluss wird Krogmann genau das vorschlagen: den Bau eines Stadions mit einer Kapazität von mindestens 7500 Plätzen und einer Ausbaureserve auf bis zu 15 000 Plätze.
Das Institut für Sportstättenberatung (IFS) aus Euskirchen kalkuliert die Kosten für die 7500er-Stadionvariante (die in der Realität wahrscheinlich rund 8000 Zuschauern Platz bieten würde) mit 45,5 Millionen Euro. Bei einer Baukostensteigerung von 3,5 Prozent bis zu einem angenommenen Baustart im zweiten oder dritten Quartal 2025 dürften sich die Gesamtkosten auf 47,1 Millionen Euro erhöhen. Das ist eine deutliche Kostensteigerung im Vergleich zu einer Kalkulation von vor zwei Jahren. Seinerzeit wurde mit 34 Millionen Euro gerechnet. Baukostensteigerungen sowie höhere Ausgaben für Lärmschutz, Entwässerung, Erschließung, Verkehrsanlagen, Photovoltaik-Nutzung und Gründung lassen den Preis aber deutlich steigen.
Wichtiger für die Stadt sind aber die Kosten für Unterhaltung und Betrieb des Stadions. Während den Investitionskosten Werte gegenüberstehen und diese über Jahre abgeschrieben werden, belasten die laufenden Kosten den Haushalt jährlich. Hier sehen die IFS-Berechnungen städtische Zuschüsse zwischen 1,68 Millionen (bei 7500 Zuschauern, 2,5 Prozent Zinsen und Drittligazugehörigkeit) und maximal 2,97 Millionen Euro (bei 10 000 Zuschauern, 3,5 Prozent Zinsen und Viertklassigkeit) vor. Eine möglicherweise höhere Eigenleistung der Stadt könnte die Zinslast noch senken.
Stehen diese Kosten fest ?
Nein, sowohl Baukosten als auch Betriebskosten sind auf Grundlage von Gutachten ermittelt worden. „Belastbar“, wie Krogmann und Joachim Guttek, Geschäftsführer der Stadionplanungsgesellschaft, betonen. Sicher sein kann man sich angesichts der Baupreisentwicklung nicht. Letztlich sind auch Zuschauerzahlen und Nutzungen nur Schätzungen.
Und beide wissen auch: Je länger es bis zu einer Ausschreibung und einem Vertragsabschluss dauert, desto teurer könnte es werden. Allerdings soll das Stadion im Zuge eines Totalunternehmerverfahrens gebaut werden. Mögliche Kostensteigerungen gingen dann zulasten des Unternehmers. Zahlen müsste die Stadt den zu Vertragsabschluss vereinbarten Preis.
Worin liegt der Unterschied zwischen einem Stadion für 7500 und 10 000 Zuschauern ?
Vor allem im Preis: Ein 10 000er-Stadion dürfte rund 3,25 Millionen Euro teurer werden. Baulich gesehen sind es vor allem die Tribünen, genauer gesagt die Tribünen hinter den Toren. Diese würden auf jeden Fall gebaut, in der kleineren Variante aber nur zur Hälfte komplett. Durch eine Aufstockung sowie weitere Funktionsräume wie Toiletten und Kioske könnten die zusätzlichen Plätze realisiert werden.
Warum wird nicht gleich ein Stadion für 10 000 Zuschauer gebaut ?
Das könnte sogar so kommen. Noch ist allerdings unklar, ob für diesen Fall zwingend ein Parkdeck gebaut werden muss. Ein solches ist bauordnungsrechtlich eigentlich notwendig, um die vorgeschriebene Anzahl an Parkplätzen zum Stadion vorzuweisen. Die Stadt prüft aber nun, ob sie rechtssicher dieser Stellplatzverpflichtung auch ohne ein solches Parkdeck gerecht werden kann. Parkplätze gibt es eigentlich mit den Flächen der Weser-Ems-Hallen und dem ZOB-Parkhaus genug, nur werden diese nicht berücksichtigt. Dann könnte auch gleich ein 10 000er-Stadion für rund 50,4 Millionen Euro gebaut werden. Krogmann jedenfalls ließ durchaus Sympathie für eine solche Lösung erkennen.
Und was ist mit dem 15 000er-Stadion ?
Dazu dürfte es frühestens kommen, sollte es wieder Zweitliga-Fußball in Oldenburg geben. Aber es werde beim Bau eines kleineren Stadions alles für einen solchen Ausbau vorbereitet, betonte Guttek. Auch die Lärm- und Verkehrsgutachten (hierzu liegen bisher nur Zwischenergebnisse vor) seien schon auf die maximale Stadiongröße ausgerichtet, Baurecht würde dieses also ermöglichen.
Und was ist mit dem VfB ?
Nach derzeitigem Stand wäre der VfB Oldenburg Hauptnutzer und Ankermieter des Stadions. Auf diesen kommen laut IFS zwischen 800 000 und 1,2 Millionen Euro jährliche Kosten für Miete Spieltags-, Caterings-, Personal-, Energie- und weiteren Kosten zu. Allerdings kann er auch mit Einnahmen in Höhe von 2,1 bis 4,4 Millionen Euro rechnen.
