Jever - Wer in der Region mit Bowling in Verbindung kommt, kennt es eher als Beschäftigung für Betriebs- oder Weihnachtsfeiern. Dass Bälle und Pins aber auch als Leistungssport eine große Rolle spielen können, beweist nicht nur in diesen Tagen ein junger Jeveraner. Zeno Janßen ist in Lima, der Hauptstadt Perus, U21-Vizeweltmeister geworden. Erst im Finale unterlag der 19-Jährige seinem schwedischen Kontrahenten Robin Ilhammer. Über Silber konnte sich Janßen aber schon früh freuen: „Der Schwede hat gegen mich im Finale ein perfektes Spiel hingelegt. Er war an diesem Tag einfach besser. Deshalb kann ich mir keine Vorwürfe machen und bin mit der Silbermedaille auch sehr zufrieden.“

Bis es soweit war, musste Janßen im Turnier einen weiten Weg zurücklegen. In drei Vorrundengruppen traten 32 Spieler an. Jeder Spieler absolvierte sechs Partien, ehe die Hälfte des Feldes aussortiert wurde. „Da habe ich tatsächlich noch nicht so gut gespielt. Ein Vorrundenaus war durchaus möglich“, blickt der 19-Jährige zurück. Doch Janßen qualifizierte sich für die Runde der letzten 16 und steigerte sich dort. „Gemeinsam mit Bundestrainer Michael Michajlow haben wir die Besonderheiten der Bahn analysiert und festgelegt, wie ich sie bespielen soll. Das hat sehr geholfen.“ Denn im professionellen Bowling ist keine Bahn wie die andere. Der Ölfilm, der aufgetragen wird, damit die Bälle besser angedreht werden können, ist immer unterschiedlich, sodass sich die Sportler immer auf unterschiedliche Gegebenheiten einstellen müssen. „Zu vergleichen ist das vielleicht mit einem Abfahrtslauf im Ski-Alpin. Da ist die Piste auch an jedem Ort anders präpariert und die Tore haben unterschiedliche Abstände“, erklärt Janßen. Der Jeveraner jedenfalls stellte sich auf die Bahnen in Lima immer besser ein und schaffte letztlich doch noch den Sprung in das Finale.

Dass er überhaupt nominiert werden würde, war für den 19-Jährigen alles andere als klar: „Der Bundestrainer hat mir im Zuge der Entscheidung mitgeteilt, dass für ihn schnell klar war, wer mitkommen würde. Ehrlich gesagt habe ich aber schon ein bis zwei Konkurrenten leicht vor mir gesehen.“ Umso größer war die Überraschung, den einzigen Startplatz für Deutschland zu bekommen.

Außerhalb des Nationalkaders spielt Janßen bei Hannover 96 in der 1. Bundesliga, er wohnt aber weiter in Jever. „Ich trainiere im Schortenser Bowling-Center. Lediglich zu den Abschlusstrainings und den Spielen reise ich nach Hannover“, erklärt er. „Für die neue Saison sehe ich uns gut aufgestellt. Unser Ziel ist der Klassenerhalt und dem blicke ich optimistisch entgegen.“

Zum Bowling gekommen ist Janßen über seinen Vater, der selber aktiv war und seinen Sohn auch nach Lima begleitete. „Ich bin praktisch mit Bowling aufgewachsen und habe entsprechend früh angefangen.“ Vor seinem Wechsel nach Hannover spielte Janßen von 2014 bis 2019 für den Heidmühler FC - unter anderem in der 2. Bundesliga. Aus Lima jedenfalls nimmt er - neben zahlreichen Eindrücken - eine klare Zielsetzung mit: „Ich möchte mit Bowling mein Geld verdienen. Das geht entweder über die Pro-Tour in den USA oder die Sportfördergruppe der Bundeswehr. Zweiteres ist sicher das realistischere Ziel“, sagt der Jeveraner, der gerade seinen Bundesfreiwilligendienst an einer Förderschule in Varel absolviert.

Dennis Sandhorst
Dennis Sandhorst Sportredaktion, Jeversches Wochenblatt, Wilhelmshavener Zeitung