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Oldenburger Erfolgswallach geht in Rente Capitano – ein Abschied auf vier Hufen

Sichtlich gerührt von Capitanos Abschied: Longenführer und Ausbilder Sven Henze. Im Hintergrund: Maike Zielinski, die den Wallach rund um den Voltigier- und Reitsport betreut. Die passenden Worte fand Lily Warren (rechts), die mit dem Vierbeiner Weltmeisterin und Vize-Europameisterin geworden ist.

Sichtlich gerührt von Capitanos Abschied: Longenführer und Ausbilder Sven Henze. Im Hintergrund: Maike Zielinski, die den Wallach rund um den Voltigier- und Reitsport betreut. Die passenden Worte fand Lily Warren (rechts), die mit dem Vierbeiner Weltmeisterin und Vize-Europameisterin geworden ist.

Julian Spilker

Oldenburg - Wenn berühmte Sportlerinnen und Sportler abtreten, gibt es meist viele Ehrungen, umfangreiche Dankesworte und unzählige Interviewanfragen. Letztere in die Tat umzusetzen, ist selbstredend schwierig, wenn erfolgreiche Vierbeiner wie nun Erfolgspferd Capitano von der Reit- und Fahrschule Oldenburg (RFO) in Rente geschickt werden. Unsere Redaktion hat aber alle Zügel in die Hand genommen und den 20-jährigen Schimmel, der kürzlich in Verden tränenreich verabschiedet wurde, zu seinem Karriereende befragt. Sportpartnerin Lily Warren, die die Abschiedsrede hielt und damit die Herzen der Zuschauer in der nahezu ausverkauften Niedersachsenhalle rührte, sowie insbesondere Longenführer Sven Henze und Maike Zielinski, die Capitano seit dessen Umzug aus Schleswig-Holstein nach Oldenburg intensiv begleitet hat, haben uns beim „Übersetzen“ des Gewiehers geholfen.

Hallo Capitano, Sie haben in Ihrer Karriere viele große Momente erlebt. Gibt es einen, der ganz besonders hervorzuheben ist ?

Also – die Junioren-Weltmeisterschaft 2021 im französischen Le Mans war schon großartig. Da sind wir – Lily Warren mit Arne Heers, Sven Henze an der Longe und ich – ganz überraschend gemeinsam Weltmeister geworden. Ein tolles Gefühl. Und die Deutsche Meisterschaft der Senioren im vergangenen September: Da konnte ich meinen jüngeren Mitstreitern noch einmal zeigen, wo der Schweif hängt. Immerhin habe ich als bestes Pferd dazu beigetragen, dass Mia Bury und Arne als Junioren sogar Deutsche Meister der Senioren geworden sind. Da flossen selbst bei Sven die Tränen.

Das soll jetzt alles Geschichte sein. Wie sieht Ihr Alltag nun aus ?

Ich lasse es etwas ruhiger angehen. Aber es ist wie bei jedem zweibeinigen Leistungssportler auch: Man muss abtrainieren. Ganz langsam.

Apropos Ruhestand: Als Erfolgspferd genießt man doch sicher gewisse Annehmlichkeiten. Fallen die jetzt weg ?

Meine Herzensdame Maike Zielinski kümmert sich, reitet mich, verwöhnt mich nach wie vor mit Möhren, Bananen und Äpfeln. Als ich 2008 von Schleswig-Holstein nach Oldenburg umgezogen bin, war sie schon beim Transport dabei. Maike hat auf mir voltigiert und war auch nach ihrer aktiven Zeit auf nahezu allen Championaten dabei. Und nun lernt ihre kleine Tochter auf mir das Voltigieren.

Voltigierer tragen auf dem Pferd Schläppchen: Gab es Lieblingsschläppchen ?

Oh ja, aber da will ich niemanden namentlich nennen. So viel sei verraten: Mit Mary Poppins galoppierte ich gern im Zirkel. Allerdings hatte Sven als Longenführer da immer ein gutes Auge. Wer zu hart auf meinem Rücken geturnt hat, bekam einen Anpfiff und musste den Pferderücken verlassen.

Apropos Sven Henze – gibt’s da eine besondere Verbindung und eine spezielle Dankbarkeit ?

Er hat mich ausgebildet – wir sind sehr vertraut miteinander. Ich bin ihm sehr dankbar, dass er auf den Turnieren und eigentlich auch im Training nie jemanden anderen an die Longe gelassen hat.

Gibt’s auch Sachen, auf die Sie jetzt gut und gern verzichten können ?

Ja, die Reisen. Ich fahre nicht gern im Hänger, auch wenn ich trotzdem immer ganz ruhig bleibe. Nur will ich dann weder fressen noch trinken – schwierig bei Fahrten bis nach Ungarn oder Frankreich. Mit Übernachtungen und Pausen ging es. Aber vermissen werde ich diese Fahrten nicht.

Ganz leicht fällt es aber bestimmt nicht, jetzt die Voltigiergurte an den Nagel zu hängen, oder ?

Der offizielle Abschied in Verden war schon sehr emotional. Aber irgendwann ist einfach Schluss. Viele meiner vierbeinigen Kollegen gehen erst, wenn sie gesundheitlich nicht mehr können. Das ist mir zum Glück erspart geblieben. Aber ein bisschen will ich noch weitermachen und dem Nachwuchs in der Reit- und Fahrschule hin und wieder zur Verfügung stehen. Und: Ich freue mich auf mein neues Zuhause. Die RFO zieht 2025 um. Ich bin gespannt auf meine neuen vier Wände.

Katja Lüers
Katja Lüers Reportage-Redaktion
Jan-Karsten zur Brügge
Jan-Karsten zur Brügge Sportredaktion
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