Hannover - Beim Bahnbetreiber Metronom kam es in Niedersachsen immer wieder zu Zugausfällen und Einschränkungen. Darum will die Niedersächsische Landesnahverkehrsgesellschaft (LNVG) mit dem Betreiber nun über die vorzeitige Beendigung des Vertrages über das sogenannte „Hanse-Netz“ verhandeln. Ziel sei es, den Vertrag zum Juni 2026 aufzuheben. Die Bitte zur vorzeitigen Vertragsaufhebung kam von Metronom selbst, teilte ein Sprecher des Verkehrsministeriums in Hannover mit. Darum geht es:
Um welche Bahnstrecken in Niedersachsen geht es ?
Betroffen sind die Strecken des „Hanse-Netzes“ – also: Hamburg – Bremen, Hamburg – Lüneburg – Uelzen, Uelzen –Celle – Hannover und Hannover – Northeim – Göttingen. Täglich nutzen rund 80 000 Menschen die Züge auf diesen Strecken, sagte Ministeriumssprecher Christian Budde. Mit rund 8,7 Millionen Zugkilometer pro Jahr handelt es sich um eines der größten Nahverkehrsnetze in Niedersachsen, so LNVG-Sprecher Dirk Altwig gegenüber unserer Redaktion.
Was bedeutet das alles für die Fahrgäste ?
Zunächst einmal ändert sich nichts. Der Metronom sei in den vergangenen Jahren „ein verlässlicher Partner“ gewesen, erklärte Verkehrsminister Olaf Lies (SPD). „Unser Ziel ist es daher zum einen, die Verkehre auf der Strecke bis Juni 2026 vollumfänglich zu erhalten und das Angebot wieder zu verbessern.“ Metronom könne bis zum Vertragsende weiterhin Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter anstellen. Sie würden dann vom künftigen Betreiber übernommen.
Wie kam es überhaupt zu dieser Situation ?
Seit Beginn des derzeit laufenden Vertrags 2018 hätten sich die Rahmenbedingungen für private Bahnunternehmen deutlich erschwert, sagte eine Sprecherin der Metronom-Eisenbahngesellschaft. Die Energiekosten seien seit dem Ukraine-Krieg massiv gestiegen, genauso die Kosten für Personal. Dazu komme der Fachkräftemangel. Metronom konnte die Strecken des „Hanse-Netzes“ zuletzt wegen Personalmangels nur eingeschränkt sicherstellen. Seit Ende August 2023 gelten Ersatzfahrpläne mit weniger Fahrten, die kürzlich bis zum 29. Juli verlängert wurden. Wie die Sprecherin der HAZ sagte, sei es gelungen, zum 4. Februar ein neues Ersatzkonzept zu entwickeln, bei dem die Zugausfälle um rund 30 Prozent reduziert werden können. Der Betreiber sei zuversichtlich, für den Zeitraum bis 2026 einen zuverlässigen Betrieb gewährleisten zu können. Ursprünglich sollte der Verkehrsvertrag bis 2033 laufen.
Wie reagiert Politik und Interessenverbände ?
Stephan Christ (Cloppenburg), Verkehrsexperte der Grünen im Landtag, bedauerte die Entwicklung. Metronom sei über viele Jahr „ein verlässlicher und innovativer Betreiber“ gewesen. Die Ausfälle der letzten Jahre hätten das Bild aber getrübt. Christ forderte, den neuen Verkehrsvertrag „auskömmlich“ für die Betreiber zu gestalten. „Fridays for future“ (FFF) und der Verkehrsclub VCD erwarten von der LNVG wirkungsvolle Sofortmaßnahmen, die spürbare Verbesserungen für die Fahrgäste bringen. Die Landtagsabgeordnete Anna Bauseneick (CDU) mahnte, die Suche nach einem verlässlichen Partner müsse Priorität haben.
Wie geht es jetzt weiter ?
Bis Ende Februar soll der Aufhebungsvertrag erarbeitet werden. Für den Betriebsübergang gelten besondere Regeln, so LNVG-Geschäftsführerin Carmen Schwabl. So hätten alle Mitarbeitenden von Metronom das Recht, zu den bisherigen Konditionen zu einem neuen Betreiber zu wechseln. Vermutlich werde bei der neuen Ausschreibung das „Hanse-Netz“ geteilt. Auch Metronom könne sich bei einer Neuausschreibung bewerben. Schwabl wies darauf hin, dass die Strecken, die der Metronom fährt, für „völlig überlastet“ erklärt wurden. 2026 kämen zudem durch die geplante Generalsanierung durch die Deutsche Bahn Streckenunterbrechungen für einen längeren Zeitraum für den neuen Betreiber hinzu.
Ist die Nordwestbahn von der Debatte betroffen ?
Nein. Nach derzeitigem Stand gehe man nicht von Beeinträchtigungen aufgrund des Metronom-Rückzuges aus, sagte Benjamin Havermann, Sprecher der Nordwestbahn. Ob sich das Unternehmen bei der Neuausschreibung des „Hanse-Netzes“ ein Angebot abgebe, sei derzeit völlig offen.