Helgoland/Langeoog - Nach dem Zusammenstoß zweier Frachtschiffe auf der Nordsee südwestlich von Helgoland geht das Havariekommando vom Tod der vier vermissten Seeleute aus. Für die Vermissten gebe es keine Hoffnung mehr, sagte der Leiter des Havariekommandos, Robby Renner, am Mittwochnachmittag. Damit sind bei Kollision der Frachter am Dienstagmorgen insgesamt fünf Seeleute ums Leben gekommen.
Nach dem Zusammenstoß der beiden Frachter hat die Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung (BSU) in Hamburg mit Ermittlungen zur Unfallursache begonnen. Es handele sich um einen „sehr schweren Seeunfall“ mit mindestens einem Todesopfer, sagte der Leiter der BSU, Ulf Kaspera, am Mittwoch. Die Untersuchung werde zusammen mit den beiden Flaggenstaaten der Frachter - Bahamas und Großbritannien - geführt, wobei die zuständige Seeunfalluntersuchungsbehörde in Großbritannien, die Marine Accident Investigation Branch, die Leitung übernehme.
„Da finden in Kürze Abstimmungen statt, wer macht was“, sagte Kaspera. Mit Untersuchungen habe man aber schon begonnen. Unter anderem seien etwa erste Verkehrsdaten gesichert worden. Zügig sollen auch die Besatzungsmitglieder der Frachter befragt werden - etwa die Crew der inzwischen in Cuxhaven liegenden „Polesie“. Der andere, kleinere Frachter, die „Verity“, war nach dem Unfall gesunken. Vier Seeleute werden noch vermisst.
Ein Seemann war kurz nach dem Zusammenstoß tot geborgen worden. Zwei Seeleute wurden aus dem Wasser gerettet. „Wir haben es mit vereinten Kräften geschafft, zwei Menschenleben zu retten“, sagte Renner. Er dankte allen Einsatzkräften.
In der Nacht zu Mittwoch hatten Rettungskräfte mit Schiffen und Hubschraubern das Seegebiet weiter ohne Erfolg abgesucht und die Suche nach den Schiffbrüchigen eingestellt. Auch ein ferngesteuerter Tauchroboter, der am Mittwoch zu dem Wrack des gesunkenen Küstenmotorschiffs „Verity“ abgelassen wurde, fand kein Lebenszeichen.
Der Unfall der Frachter „Verity“ und „Polesie“ ereignete sich rund 22 Kilometer südwestlich der Hochseeinsel Helgoland und 31 Kilometer nordöstlich der ostfriesischen Insel Langeoog. Wie es dazu kam, ist bislang unklar. Der Unfallort liegt in einem der meistbefahrenen Seegebiete weltweit. Denn in der Deutschen Bucht verlaufen laut Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) zwei international eingerichtete Schifffahrtsstraßen in Ost-West-Richtung.