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nordwest-zeitung

Profiligen im Fußball, Basketball, Eishockey Wieso beim Thema Nachhaltigkeit alle mitmachen müssen

Fußbälle mit den 17 Nachhaltigkeitszielen (Sustainable Development Goals) der Vereinten Nationen liegen auf dem Boden. Auch die Proficlubs anderer Sportarten müssen sich intensiv mit diesen Zielen auseinandersetzen.

Fußbälle mit den 17 Nachhaltigkeitszielen (Sustainable Development Goals) der Vereinten Nationen liegen auf dem Boden. Auch die Proficlubs anderer Sportarten müssen sich intensiv mit diesen Zielen auseinandersetzen.

Vereinte Nationen

Oldenburg/Vechta - Im Frühjahr stehen für die Proficlubs in den großen Bundesligen die Lizenzanträge für die nächste Saison an – und diese löst bei einigen Vereinen der Basketball-Bundesliga (BBL) und der Deutschen Eishockey Liga (DEL) mehr Unsicherheit aus als sonst. Denn in beiden Männer-Ligen ist zum ersten Mal die Bearbeitung des Themenkomplexes Nachhaltigkeit gefordert. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) setzte das von den Männer-Clubs, die in der 1. und 2. Liga spielen wollen, bereits im Vorjahr voraus und wird die Anforderungen im kommenden Jahr auch auf die 3. Liga sowie die Frauen-Bundesliga ausweiten.

„Nicht nur grün anmalen“

Dass Nachhaltigkeits-Konzepte eminent wichtig sind, darin sind sich alle Vertreter der Ligen und Clubs einig – aber auch darin, dass die Umsetzung eine große Herausforderung ist. „Das ist der größte Meilenstein, dass wir das Thema im Lizenzverfahren verankert haben“, sagte Marika Bernhard, Nachhaltigkeits-Chefin der DFL, Ende Januar bei einer Podiumsdiskussion zu dem Thema bei der Sportbusiness-Konferenz Spobis in Hamburg. Ihr BBL-Pendant Sebastiano Provenzano pflichtete ihr bei: „Ohne Verbindlichkeit ist das Schall und Rauch. Wir müssen regulativ unterwegs sein“, sagte er und forderte tiefgreifende Strategien: „Wir dürfen uns nicht nur grün anmalen.“ DEL-Spielbetriebsleiter Jörg von Ameln machte in Bezug auf das Bearbeiten von Nachhaltigkeits-Themen klar: „Wer es nicht tut, spielt nicht mehr mit.“

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Strafen drohen

Wenn ein Club also die Forderungen nicht erfüllt, drohen Geldstrafen, Punktabzug und in letzter Konsequenz die Nicht-Erteilung der Lizenz. Dass das im nun kommenden ersten Durchlauf einem BBL-Club passiert, kann sich Raphael Dornieden von Rasta Vechta aber nicht vorstellen. Denn einerseits saßen in der Arbeitsgruppe, die die Strategie der BBL erarbeitet hat, auch Vertreter von Clubs. Zudem seien die zu erreichenden Ziele zum Teil noch etwas vage formuliert. „Es geht darum, zu starten, das Thema im Verein zu implementieren und Akzeptanz zu schaffen. Es soll aber nicht abschrecken“, sagt der Marketingleiter, der sich bei Rasta bislang vorrangig um das Thema kümmert.

Provenzano von der BBL spricht auch von einem „großen Spielraum“, der aber nötig sei, weil die BBL-Standorte unterschiedliche Voraussetzungen hätten – insbesondere Vechta mit knapp 35 000 Einwohnern auf der einen Seite und Berlin (Alba) mit 3,6 Millionen auf der anderen.

Konkret hat die BBL sich aus den 17 von den Vereinten Nationen veröffentlichten Zielen für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, kurz: SDGs), die sich auf die Dimensionen ökologisch, ökonomisch und sozial aufteilen, zunächst die fünf für die Liga wesentlichsten herausgesucht: Gesundheit und Wohlergehen, Hochwertige Bildung, Weniger Ungleichheiten, Maßnahmen zum Klimaschutz, Partnerschaften zur Erreichung der Ziele. Diesen hat sie je drei Subziele verpasst. Diese 15 Subziele müssen die Clubs erfüllen – im ersten Jahr allerdings zunächst nur zehn.

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Einen ähnlichen Eindruck wie Dornieden hat auch Daniel Pleines, Marketingleiter der EWE Baskets Oldenburg. Die BBL habe früh „Quickchecks“ bei den Clubs vor Ort durchgeführt, wie weit sie sind. Bei den Baskets sei „fast alles auf grün“ gewesen, erklärt er zufrieden. Auch für Pleines ist klar: Das Thema ist nicht zu unterschätzen, sowohl was die Arbeit, aber auch die Bedeutung angeht. „Man wird erstmal erschlagen von der Vielfältigkeit des Themas“, sagte er: „Und das Thema ist mit Aufwand und Kosten verbunden.“ Auch Dornieden hat festgestellt: „Das war mehr Arbeit, als ich erst gedacht hätte.“

Investitionen nötig

Aber sie muss sein, denn: „In Zukunft werden mehr und mehr Sponsoren und auch Fans gucken: Machen die Baskets da etwas? Will ich da noch ein Spiel besuchen und diesen Club unterstützen?“, ist sich Pleines sicher.

Diese Erfahrung hat auch DEL-Mann von Ameln gemacht: „Einige große Unternehmen reden gar nicht mehr mit dir, wenn du da nichts machst.“ So zum Beispiel Penny, Hauptsponsor der DEL, und die Telekom, die die Übertragungsrechte besitzt.

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DFL-Beauftragte Bernhard stimmt zu: „Ohne Nachhaltigkeit sind wir nicht mehr attraktiv.“ Auch sie sieht die Clubs und Verbände erstmal in der Pflicht, Aufwand zu betreiben. Dieser werde sich aber lohnen. „Die Erlöse kommen irgendwann, das kann aber dauern. Erstmal müssen wir investieren“, sagte sie bei der Spobis in Hamburg und erinnerte an die Dringlichkeit: „Aber was, wenn wir es nicht tun? Abgesehen von den Strafen drohen uns viel schlimmere Folgen des Klimawandels.“

Miteinander arbeiten

Einen Nachhaltigkeitsbericht müssen deshalb übrigens nach und nach alle größeren Unternehmen künftig abliefern und sich darin mit den 17 SDGs bzw. den ausdifferenzierten 169 Zielvorgaben der Vereinten Nationen auseinandersetzen. Allein deshalb haben die Clubs ein Interesse an Nachhaltigkeitsaktivitäten. „Die EWE will ja auch nachhaltiger werden“, sagt Pleines von den Baskets mit Blick auf den Hauptsponsor. Gleiches gelte für die Stadt, in deren Weser-Ems-Hallen die Baskets ihre Spiele austragen. Deshalb appellieren alle Gesprächspartner auch an gute Zusammenarbeit, Kooperation und Kommunikation: Denn alle haben die gleichen Interessen.

Mathias Freese
Mathias Freese Sportredaktion
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