Brake/Wesermarsch - Im Braker Hafen entsteht seit diesem Donnerstag die bislang größte Produktionsanlage für grünen Wasserstoff in Niedersachsen. Mit zahlreichen Vertretern aus Politik und Wirtschaft hat die Firma Lhyfe mit Hauptsitz in Frankreich den ersten Spatenstich für eine 10-Megawatt-Elektrolyseanlage gefeiert. Wenn sie fertiggestellt ist, soll sie mit Strom aus erneuerbaren Energien bis zu 1.150 Tonnen grünen Wasserstoff pro Jahr produzieren.
Bürgermeister als Motor
Maßgeblich vorangetrieben wurde das Projekt vom Braker Bürgermeister Michael Kurz. Im Zusammenhang mit dem 2020 gestarteten Projekt H2BrakeCo2 knüpfte er erste Kontakte zu dem französischen Unternehmen. Kurz legte dem Unternehmen den Hafen Brake als Standort nahe und stellte auch den weiteren Kontakt zum Hafenbetreiber NPorts her. Das Projekt H2BrakeCo2 habe deutlich das Potenzial von Wasserstoff für LKW-Verkehr aber auch für die Hafenlogistik gezeigt. Brake und der Hafen würden mit der Ansiedlung zum Vorreiter für saubere Energietechnologie, so Kurz. Die Anlage sei gleich doppelt nachhaltig, weil nicht nur der Strom aus erneuerbaren Energien stammt. Auch der OOWV sei im Boot. Das als Ausgangsprodukt nötige Wasser soll nämlich die Braker Kläranlage liefern, die das Wasser so weit aufbereitet, dass es die für die Wasserstoffproduktion nötige Qualität hat. So sei es möglich, die wertvolle Ressource Trinkwasser zu schonen.
Transport per LKW
Als Abnehmer für den Wasserstoff sind sowohl Unternehmen im Hafen als auch außerhalb denkbar. Der Wasserstoff wird vom Elektrolyseur zunächst mit Lastwagen abtransportiert, später wäre auch eine Anbindung an eine Pipeline etwa im Rahmen des Projekts H2Marsch denkbar. Der bis jetzt vorgesehene Transport per LKW wäre übrigens noch auf Diesel als Treibstoff angewiesen. Zwar gibt es LKW mit Wasserstoffantrieb, für den Transport von Gefahrgut – und das ist Wasserstoff – sind sie aber noch nicht zugelassen.
Luc Graré, bei Lhyfe verantwortlich für Zentral- und Osteuropa, erläuterte die Geschichte des Unternehmens, das 2017 in Nantes als Startup gegründet wurde. Das Unternehmen suche Standorte für die Produktionsanlagen, baue und betreibe sie und vertreibe den Wasserstoff im Bereich Industrie und Mobilität.
Seit September 2021 sei in Frankreich die erste Anlage in Betrieb, 2022 ging das Unternehmen an die Börse und habe mittlerweile 200 Mitarbeiter, die sich um Planung, Bau und Vertrieb kümmern. Während grüner Wasserstoff sonst meist noch ein Thema von Konferenzen und Planungen für riesige Anlagen in Bereichen von 400 bis 600 Megawatt sei, habe Lyhfe den Ansatz verfolgt, mit kleineren Anlagen zu beginnen, aus ihnen zu lernen und dann Stück für Stück zu wachsen.
Neben Brake seien derzeit sechs Anlagen in Bau, in Deutschland auch in Schwäbisch Gmünd und Tübingen. In Delfzijl in den Niederlanden soll eine 200 Megawatt-Anlage entstehen, in Lubmin bei Greifswald will Lhyfe auf dem Gelände des ehemaligen Kernkraftwerks bis 2029 eine Anlage mit 800 Megawatt Leistung bauen. Außerdem investiert Lhyfe in die Produktion von grünem Wasserstoff direkt auf dem Meer bei Offshore-Windanlagen. Gebaut werden die Anlagen modular in Containern.
Der Neubau von Lhyfe in Brake, so Michael Kurz, stärke die Wirtschaft und lokale Unternehmen vor Ort. Der Hafen Brake könne und sollte sich weiter zu einem Knotenpunkt für grüne Energie und nachhaltige Wirtschaft entwickeln, die Flächen dafür seien in der Nähe vorhanden, eine entsprechende Bauleitplanung werde die Stadt angehen. Eine Wasserstoffanlage allein reiche aber nicht. Industrie, Wirtschaft und Kommunen müssten gemeinsam daran arbeiten. In diesem Punkt sei die Wesermarsch mit der Interessengemeinschaft H2Marsch gut aufgestellt und habe erste Erfolge. Zur Einordnung der Produktionskapazität der Anlage: H2Marsch rechnet mit einem Wasserstoffbedarf von 13.000 Tonnen jährlich, um die Hälfte des aktuellen fossilen Energieverbrauchs von etwa 1100 Gigawattstunden zu ersetzen.
Wichtige Rolle für Wesermarsch
Die Bedeutung der neuen Anlage in Brake betonte auch der niedersächsische Wirtschaftsminister Olaf Lies. Es reiche nicht, weltpolitisch und europapolitisch Ziele zu setzen und Bundes- und Landesgesetze zu machen. Die Energiewende brauche auch einen Motor vor Ort. Bisher werde viel geredet, in Brake werde jetzt auch umgesetzt und geliefert, und wirtschaftliche Entwicklung und Klimaschutz gemeinsam ermöglicht. Es werde bei der Energiewende viel über den Norden und die Küste gesprochen. Eine ganz besondere Rolle komme aber der Wesermarsch zu, deren Bedeutung vielfach unterschätzt werde. Die zentrale Herausforderung von heute und morgen sei das Thema Energie. Der Norden und die Wesermarsch lieferten die Antwort darauf – mit dem Ausbau der Windenergie onshore und offshore sowie der Photovoltaik. Da wo diese Energie ankomme, müssten aber bereits jetzt kluge Lösungen gefunden werden – so wie in Brake. In Berlin habe es lange wenig Verständnis für das Thema Wasserstoff gegeben, der aber als Speichermedium für bestimmte Anwendungen neben Batterien optimal geeignet sei.
Dem Hafen als Standort, so Lies, komme ebenfalls eine zentrale Rolle zu. Hier spielten sowohl der Verkehr per LKW, Zug und Schiff eine Rolle, die alle vom Wasserstoff profitieren könnten. Er wünsche sich mehr so mutige Ansiedlungen wie hier von Lhyfe in Brake, wo das Unternehmen 20 Millionen Euro investiert. Holger Banik, Geschäftsführer von NPorts, betonte, die Ansiedlung sei nicht nur für den Hafen, sondern für die gesamte Region gut. Lhyfe habe sich, auch in durchaus komplizierten Verhandlungen, als verlässlicher Partner erwiesen.