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nordwest-zeitung

Sexualität im Wandel Ostfriesland auf dem Weg zu neuen Liebesmodellen

Die klassische Beziehung wird sich zu einem Modell unter vielen entwickeln.
Zukunft Ostfriesland

Die klassische Beziehung wird sich zu einem Modell unter vielen entwickeln.

dpa

Ostfriesland - Sexualität verändert sich, sie entwickelt sich weiter. Auch zukünftig. Zugegeben: Das ist keine besonders gewagte Prognose, bereits die Einführung der Antibabypille in den 1960er Jahren hat den Fortpflanzungsgedanken gegenüber dem Erleben von Lust, Spaß und Befriedigung verdrängt. Wie aber entwickelt sich das Sexleben jenseits der 2020er Jahre? Trends und Entwicklungen gibt es viele, eine Gemeinsamkeit gibt es auch: Erst der Sex, dann die Liebe.

Zukunft OstFriesland
So sieht die KI Zukunft und Gegenwart von OstFriesland. Wie viel sich davon wohl so entwickeln wird?

ARTIKELREIHE „ZUKUNFT OSTFRIESLAND“ Wie kommt die Zukunft in Ostfriesland an?

Peter Saathoff
Ostfriesland

Sexualität wird individueller

Sexualität wird individueller gelebt, facettenreicher und digitaler werden. Das ist das Ergebnis einer großangelegten Studie der Münchener Zukunftsforscher von Trendbüro, einem Beratungsunternehmen für gesellschaftlichen Wandel, die den Liebes-Wandel in Stadt und Land untersuchten. Im Auftrag der Online-Plattform Secret.de haben die Münchener bereits 2017 zu dem Thema geforscht. „Viele der Ergebnisse sind aber immer noch aktuell“, sagt Sabine Rogg von Trendbüro gegenüber dieser Redaktion. Tatsächlich, das zeigen Studien, die seit 2017 durchgeführt wurden – die Ergebnisse, zu denen Trendbüro bereits 2017 kam, passen ins Jahr 2024 – und sie passen von Berlin bis Baltrum.

Darum geht es

Wie lebt es sich auf der ostfriesischen Halbinsel in den nächsten Jahrzehnten?

Unsere Redaktion hat verschiedene Aspekte des zukünftigen Lebens in den ländlichen Regionen Ostfriesland und Friesland sowie der Stadt Wilhelmshaven beleuchtet und mit Experten und Zukunftsforschern darüber gesprochen.

Themen sind vor allem Bereiche, die den Alltag des Lebens betreffen, aber auch spezifische Herausforderungen der ländlichen Küstenregion.

Eine bereits begonnene Entwicklung: Sex wird weiter enttabuisiert. Menschen sind offener für verschiedene sexuelle Vorlieben, und sie kommunizieren offener darüber, sagt etwa Michael Pilzek, damaliger Geschäftsführer von Secret.de. Gerade Frauen übernähmen „verstärkt das Zepter zwischen den Laken, entdecken sich neu und in einer aktiveren Rolle“. Männer hingegen stünden im Konkurrenzkampf, sie optimierten sich stärker, um Mitbewerber ausstechen zu können – und inszenierten sich zunehmend.

Menschen suchen nach neuen sexuellen Erfahrungen

Pilzek geht davon aus, dass die Menschen verstärkt digitale Portale nutzen werden, um passende Partner für ihre Vorlieben zu finden. Das mag angesichts seines damaligen geschäftlichen Hintergrunds nicht überraschend sein, unwahrscheinlich ist die These allerdings nicht. Abseits von bekannten Datingplattformen wie Tinder, Bumble und Lavoo haben sich längst Portale wie Joyclub gegründet, auf denen nicht die Suche nach einer dauerhaften Beziehung, sondern nach sexuellen Erfahrungen im Mittelpunkt steht. Dort kommunizieren die Nutzer bereits heute offen, welche Vorlieben sie haben oder in welcher dauerhaften Form von Beziehung sie zueinander treten möchten. Wichtig dabei: Zeit und Aufmerksamkeit werden weiterhin knappe Ressourcen sein, erklärt Ulrich Köhler, Geschäftsführer von Trendbüro. Bestimmte Portale übernähmen daher immer stärker die Vermittlung von Sex.

Freundschaft plus: Ein Modell der Zukunft

Growmorrow

Menschen vorstellen, die nicht alles besser wissen, aber vieles besser machen, das ist die Idee des Zukunftsfestivals Growmorrow.

Themen wie Energie, Bildung und Ernährung mit Vordenkern, Machern und Pionieren werden diskutiert.

Die Eventreihe der Nordwest Mediengruppe findet statt am 8. August ab 14 Uhr in Wilhelmshaven in der Pumpwerk, am 15. August ab 10 Uhr in den Weser-Ems-Hallen in Oldenburg und am 22. August im EEZ in Aurich ab 14 Uhr.

Ein Modell, das laut den Forschern zunehmen wird: Freundschaft plus. Die Menschen bleiben Single, sie haben ihre eigene Wohnung, ihren individuellen Rückzugsraum, aber sie haben feste Freunde, mit denen ins Kino und ins Bett gegangen wird – je nach Lust und Laune. Und die Familie? Stirbt die aus? Nein, sagen die Forscher. Aber sie wird nach hinten hinausgezögert, und auch Trauschein und gemeinsame Kinder seien zukünftig keine Garanten, dass Sexualität ein Paar-Ding bleiben müsse. „Der Zweck von Sex ist vielfältig geworden und wird stetig individueller: Lust, Selbstbestätigung, Stressabbau etc.“

Die Lust, sie wird verstärkt an verschiedensten Stellen und bei verschiedensten Personen gesucht. „Die ständige Befriedigung durch den einen Partner würde eine unlösbare Herausforderung oder gar Überforderung darstellen“, so die Forscher.

Dieser Trend hat aber auch Schattenseiten, die etwa Diplompsychologin Renate Semper benennt. Die Frage der Zukunft sei nicht mehr, „wo ich meine Bedürfnisse befriedigt kriege, sondern eher: ‚Hoffentlich habe ich noch genug Bedürfnis, wenn ich die Begegnung habe.’“ Ihr Sorge: „Die Lustlosigkeit, nicht die Partnerlosigkeit ist das größere Sexualproblem.“

Zukunft Ostfriesland
Beschäftigen sich intensiv mit der Zukunft des Küstenschutzes und der Entwässerung: (v.l.) Deichacht-Rendant Frank Rosenberg, Oberdeichrichter Gerd Udo Heikens, Entwässerungsverbands-Rendant Kevin Janßen, Obersielrichter Reinhard Behrends

STÜRME UND FLUTEN ODER NEUE MÖGLICHKEITEN? Wenn Ostfrieslands Wasser einmal zum Luxusprodukt wird

Axel Pries
Ostfriesland
Peter Saathoff
Peter Saathoff Emder Zeitung
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