Oldenburg - Einer Saison, über die Sven Regener mit seiner Band „Element of Crime“ ein melancholisches Lied schreiben könnte, haben die Fußballer des VfB Oldenburg am Samstag im „Getränke-Hoffmann-Stadion“ des SC Spelle-Venhaus eine traurige Strophe hinzugefügt. Wer das 3:3 (0:2) beim Schlusslicht nicht gesehen hat, könnte meinen, dass sich zwei Teams, die die Saison schon abgehakt haben, einen wilden Sommerkick geliefert haben. Es war aber kein Regionalliga-Duell nach dem Motto „Erst wenn alles scheißegal ist, macht das Leben wieder Spaß“ (ein Vers aus Regeners „Delmenhorst“, in dem auch der Beiname des Speller Sportplatz-Stadions prominent vorkommt). Vielmehr war es ein Auftritt ohne Gewinner, bei dem es nur Verlierer gab.
Erzählen statt machen
„Das ist gefühlt schon wie eine Niederlage. Was wir heute gezeigt haben, geht so einfach nicht“, klagte Kapitän Patrick Möschl, der mit den Oldenburgern (jetzt 28 Spiele/44 Punkte/6. Platz) nach dem 4:1-Heimsieg gegen den Bremer SV nun bei den Emsländern (29/12/18.) das Auf und Ab der vergangenen Wochen, in denen einem Sieg stets kein Sieg gefolgt war, auf teils hilflose Art und Weise fortgesetzt hatte. „Wenn der ein oder andere Spieler meint, philosophieren zu müssen, nur erzählen statt zu machen, dann funktioniert das nicht“, monierte VfB-Coach Fuat Kilic.
Kleckern statt Klotzen
Der VfB hätte früh durch Linus Schäfer in Front gehen können (2. Minute), kleckerte danach offensiv aber statt zu klotzen. Ohne die auf der Bank schmorenden Stoßstürmer Markus Ziereis und Max Wegner gab’s trotz gefühlt 80 Prozent Ballbesitz nur sporadisch Torgefahr. Halbchancen von Anouar Adam (11.), Rafael Brand (27.) und Drilon Demaj (40.) reichten nicht, um den abgeschlagenen Aufsteiger, der zuvor schon 19 Ligaspiele in Serie ohne Sieg (15 Pleiten, 4 Remis – darunter das 2:7 im Hinspiel im Oktober) erlebt hatte, aber die Hoffnung auf den Klassenerhalt noch nicht aufgegeben hat, vor 646 Fans zu knacken. „Die erste Halbzeit war schlecht von uns, und Spelle hat die Chancen, die wir zugelassen haben, auch genutzt“, meinte Möschl mit Blick auf das 0:2 zur Pause.
VfB Oldenburg: Peitzmeier - Möschl, Adam, Deichmann (65. Ziereis), Schröder - Krasniqi (85. Plume), Knystock - Schäfer (46. Loubongo), Brand, Ramaj (46. Richter) - Demaj (85. Wegner).Schiedsrichter: Julian Meckfessel (Bissendorf).Zuschauer: 646.Tore: 1:0 Kemna (28.), 2:0 Lenz (44.), 2:1 Brand (54.), 2:2 Demaj (66.), 2:3 Ziereis (72.), 3:3 Stegemann (79.).
Gewähren statt Klären
„Wir haben zu viel zugelassen“, klagte VfB-Keeper Jhonny Peitzmeier, der bei beiden Toren in Abschnitt eins nicht die allerbeste Figur abgegeben hatte. Nachdem er zehn Minuten zuvor die Führung verpasst hatte (18.), überraschte Jip Kemna den Oldenburger Schlussmann per Sonntagsschuss aus rund 45 Metern (28.). „Es war so angesagt, dass die Speller viel hinter die Kette spielen. Ich stehe immer sehr hoch“, erklärte der 23-jährige Torhüter, der kurz vor der Pause erneut hinter sich greifen musste, weil er nicht richtig zugegriffen hatte, als seine Vorderleute ihre Gegenspieler nach einem Einwurf gewähren und Adrian Lenz aus 18 Metern auf die kurze Ecke schießen lassen hatten (44.).
Tristesse statt Finesse
Zwei Tage vor der auch von der organisierenden und der anfeuernden Fraktion euphorisch erwarteten Stadtrat-Abstimmung über den Bau einer neuen Fußball-Arena in Oldenburg (Montag ab 18 Uhr, Weser-Ems-Halle) verhinderte das spielende VfB-Personal nach der Pause ohne Finesse die ganz große Fußball-Tristesse. Brand (54.), Demaj (66.) und Ziereis (72.) drehten das Spiel sogar komplett, doch nach Torben Stegemanns Kopfball zum 3:3 nach einer Ecke (79.) gab’s trotzdem eine von Melancholie getränkte Endabrechnung. „Wir sind selbst schuld, dass wir mit hängendem Kopf nach Hause fahren“, meinte Peitzmeier.