Varel - Während die deutschen Fußballer erfolgreich in die Heim-EM 2024 gestartet sind, arbeitet die Schweizer Nationalmannschaft der Frauen bereits akribisch auf den Sommer 2025 hin. Dann steht vom 2. bis 27. Juli die Europameisterschaft im eigenen Land auf dem Programm. Die Hoffnung auf ein Sommermärchen im Alpenland ist groß.
Kea Eckermann ist 29 Jahre alt. In ihrer aktiven Zeit hat die in Wilhelmshaven aufgewachsene ehemalige U-16- und U-17-Nationalspielerin selbst in der Bundesliga (Werder Bremen) und 2. Bundesliga (BV Cloppenburg) gespielt. Zudem stand sie in der 2. Liga (BVC) sowie in der Regionalliga (TuS Büppel) als Trainerin an der Seitenlinie.
Das liegt auch an der namhaften Nationaltrainerin Pia Sundhage, zu dessen Trainerstab neben der ehemaligen Weltfußballerin, zweifachen Welt- und dreifachen Europameisterin Nadine Angerer seit April auch Kea Eckermann als Spielanalystin gehört. Die Wilhelmshavenerin war bis zum Ende der vergangenen Saison Trainerin bei den Regionalliga-Frauen des TuS Büppel, ehe sie ihr Amt auf eigenen Wunsch niederlegte – vor allem, um den Fokus auf ihr Lehramtsstudium für Berufsschule zu legen. Doch dann kam es etwas anders.
Spitzen-Spielanalystin
„Die Aufgabe in der Schweiz ist mein erster Schritt in den Profibereich. Er bedeutet zwar sehr viel Arbeit, aber es macht brutal Spaß“, betont Eckermann: „Ich hätte nie gedacht, als mir Sportleiter Uwe Katzky vor drei Jahren das Traineramt beim TuS angeboten hat, dass ich nun mit nicht einmal 30 Jahren auf diesem höchst professionellem Niveau arbeiten kann. Deshalb bin ich dem TuS auch unfassbar dankbar, denn ohne die Station in Büppel hätte ich diesen Weg nie einschlagen können.“
Dementsprechend demütig habe sie ihre Arbeit beim Schweizer Verband aufgenommen. „Ich dachte da anfangs schon, dass es eigentlich eine Nummer zu groß für mich ist“, verrät die 29-Jährige: „Aber sowohl der Verband als auch das Nationalteam haben mir den Start super einfach gemacht. Und ich glaube, sie sind zufrieden mit meiner Arbeit.“
Rückblick: Nach ihrem Weggang aus Büppel schloss sich Eckermann als Videoanalystin dem FC St. Pauli an. Über den Kiezclub, für den sie weiterhin tätig ist, absolvierte sie eine achtmonatige Ausbildung als Spielanalystin an einem internationalen Fußball-Institut in Köln und wurde Lehrgangsbeste. Als der schweizerische Verband auf der Suche nach einer Videoanalystin beim zuständigen Dozenten vorstellig wurde, sprach dieser eine Empfehlung für die 29-Jährige aus. Dann ging alles sehr schnell.
Parallel arbeitet Eckermann inzwischen auch schon als angestellte Lehrerin an der DFB-Eliteschule im Bremer Stadtteil Obervieland und bekommt bei ihrem Referendariat (Schwerpunkt Wirtschaft und Sport) viele Freiheiten, um Fehlzeiten später auszugleichen. „Das ist nicht selbstverständlich und passt als Gesamtpaket sehr gut für mich“, freut sich Eckermann.
Tolle Trainerin
Ein besonderes Privileg im Fußball sei es, mit einer solch erfahrenen Nationaltrainerin wie Sundhage zusammenzuarbeiten: „Sie hatte schon super viel Erfolg. Und ich kann natürlich sehr viel von ihr lernen, nicht nur im sportlichen Bereich, sondern auch von der Persönlichkeit her.“
Die 64-Jährige hatte im Januar 2024 das Amt in der Schweiz übernommen. Zuvor war Sundhage als Nationaltrainerin von Brasilien (2019 bis 2023) und ihrem Heimatland Schweden (2012 bis 2017) aktiv. Davor hatte sie die USA zur Vizeweltmeisterschaft (2011) sowie zu zwei Olympiasiegen (2008, 2012) geführt.
Die Schweiz hat als Gastgeber einen EM-Startplatz sicher, nimmt aber trotzdem an der Qualifikation teil. Zuletzt gab es Spiele gegen Ungarn (2:1, 0:1) und Aserbaidschan (4:0).
Eckermanns Aufgaben sind sehr vielfältig. Dazu gehört neben der Gegneranalyse auch die Eigenanalyse. „Ich filme jedes Training in Absprache mit dem Trainerteam, je nachdem, was im Fokus stehen soll“, erläutert sie. In Nachbesprechungen werde aufgearbeitet, was gut war und wie das auf den nächsten Gegner angewendet werden kann.
Die Länderspiele der Schweiz verfolgt die 29-Jährige auf der Tribüne oder einem Analystenplatz. Via Headset kommuniziert sie mit dem Trainerteam, um während der Partien sofortige Rückmeldungen geben zu können. „Geht der Matchplan auf? Wo finden sich Räume, die bespielt werden können?“, nennt Eckermann Beispiele für wichtige Fragen.
Kabinen-Analyse
In der Halbzeitpause steht dann die Live-Analyse auf dem Programm. Dabei werde kurz vorab mit dem Trainerstab besprochen, welche Szenen den Nationalspielerinnen zur Veranschaulichung in der Kabine gezeigt werden. In der Nachbereitung werde noch einmal gesondert auf das Spiel der Schweizerinnen eingegangen.„Die Heim-EM im nächsten Jahr wird ein super Erlebnis“, blickt Eckermann voraus: „Und ich bin extrem dankbar für den Vertrag darüber hinaus“, sagt sie. Zudem schließt sie eine Rückkehr auf einen Posten als Cheftrainerin für die spätere Zukunft nicht aus. Ihre B-Lizenz hat sie bereits erfolgreich gemacht, das Erreichen der A-Lizenz hat sie sich als nächstes vorgenommen.