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Artikel des Monats Ein brennender Frachter, eine heiße Yacht und eine Aussteigerin im Wohnmobil

Oldenburg - Im Laufe eines Monats kommen und gehen Tausende Nachrichten, Reportagen, Kommentare auf NWZonline. Manches gerät schnell in Vergessenheit, an einiges dürften sich viele auch Wochen später noch erinnern. So zum Beispiel an diese kleine Auswahl von fünf der meistgelesenen Artikel im August 2023:

Wilhelmshavener Hilfe für die Fremantle Highway?

Ende Juli machte eine Nachricht die Runde, die bundesweit aufhorchen ließ, vor allem aber im Nordwesten die Menschen in Atem hielt: Vor der niederländischen Küste trieb ein brennender Frachter mit rund 3800 Autos an Bord in der Nordsee. Im August ging es dann vor allem darum, das in der Zwischenzeit gelöschte Schiff wieder an Land zu bringen. Am 1. August hieß es dann, die „Fremantle Highway“ – so heißt der Frachter – hätte sich von ihrem neuen Ankerplatz vor den Inseln Schiermonnikoog und Ameland losgerissen und würde auf deutsche Hoheitsgewässer zutreiben.

Unsere Kolleginnen und Kollegen von der Wilhelmshavener Zeitung berichteten damals, das Spezialschiff „Mellum“ sei unterwegs, um zu helfen. Diese Nachricht rissen uns die Leserinnen und Lesern von NWZonline quasi aus der Hand: Mehr als 100.000-mal wurde der Artikel aufgerufen. Einen Tag später stand dann übrigens fest: Die „Fremantle Highway“ wird nach Eemshaven in den Niederlanden geschleppt. Und die „Mellum“ wurde schlussendlich doch nicht gebraucht, um den Frachter in Position zu halten.

Das Mehrzweckschiff „Mellum“ des Wasserstraßen- und Schifffahrtamtes Wilhelmshaven.

BRENNENDER FRACHTER AUF NORDSEE „Fremantle Highway“ hat sich möglicherweise losgerissen – Spezialschiff aus Wilhelmshaven auf dem Weg

Michael Halama Wilhelmshaven

Megayacht auf Testfahrt in der Jade

Ein weiteres Wasserfahrzeug zog am 2. August das Interesse auf sich: Im Jadefahrwasser wurde eine über 118 Meter lange Megayacht gesichtet. Sie befand sich auf ihrer ersten Erprobungsfahrt, nachdem sie die Werft Abeking & Rasmussen in Lemwerder verlassen hatte. Auftraggeber und Kaufpreis sind in solchen Fällen meistens reine Spekulation. Bekannt ist hingegen, dass die „Celerius“ nicht nur das größte bisher gebaute Schiff in der über 115-jährigen Geschichte der Werft darstellt, sondern auch in der Weltrangliste der größten Yachten auf Platz 43 liegt.

Highlight des Luxuspotts ist wohl das 3,40 Meter mal 1,30 Meter große Unterwasserfenster, durch das man die Welt unterhalb des Meeresspiegels betrachten kann. Ein aufregendes Erlebnis für einen – und hier sind wir eben im Bereich der Spekulation – in Dubai lebenden amerikanischen Milliardär mit deutschen Wurzeln. Auch dieser Artikel wurde übrigens gut 100.000-mal gelesen.

Schlicht und elegant: Die „Celerius“ wurde jetzt während ihrer Erprobung im Jadefahrwasser gesichtet. Das 118 Meter lange Megayacht soll einem Amerikaner mit deutschen Wurzeln gehören. Von der Werft bestätigt wurde das allerdings nicht.

AUFREGUNG IN WILHELMSHAVEN Luxusyacht im Jadefahrwasser wirft viele Fragen und Gerüchte auf

Dietmar Bökhaus Wilhelmshaven

Seit 13 Jahren im Wohnmobil durch die Weltgeschichte

Geschichten über Aussteigerinnen und Aussteiger faszinieren die Menschen. Das war vor einigen Jahren schon bei Werner Bodeit so, der 16 Jahre lang mit „Lampenwagen“ und Hunden in Friesland und Ostfriesland unterwegs war und der 2019 gestorben ist. Im August

wurde der Artikel über die Rentnerin Gisela Homberg fast 30.000-mal gelesen. Sie lebt seit 13 Jahren im Wohnmobil und fährt durch die Lande.


Mein Kollege Axel Pries lernte sie im Landkreis Leer kennen, wo sie sich vier Wochen lang aufhielt: Die frühere Bankkauffrau ist seit dem Jahr 2000 Rentnerin. Damals war sie 58 Jahre alt und schwer krank: Durch eine bakterielle Infektion war Gisela Homberg auf Medikamente angewiesen, die drei Herzinfarkte auslösten. Sie stellte ihr Leben um, wandte sich den Lehrern fernöstlicher Religionen zu – und hatte fortan mit weniger Beschwerden zu kämpfen.

Seit 2010 ist sie nun in ihrem umgebauten Transporter in der Weltgeschichte unterwegs: Baltikum, Skandinavien, Balkan, Portugal, Marokko – und zur Auto-Reparatur machte sie eben in Ostfriesland Halt.

Ein neues Leben am Steuer ihres Caravans: Gisela Homberg auf dem Gelände des Autozentrums Nord in Leer.

ZU GAST IN LEER Rentnerin lebt seit 13 Jahren im Wohnmobil und lernte sich dabei selbst kennen

Axel Pries Leer

Hass und Drohungen gegen Tabularaaza-Veranstalter Jan Meiners

Es hätte so schön werden können: das Tabularaaza-Festival vor den Toren Oldenburgs, das 2019 zum ersten Mal stattfand, während der Pandemie dann ausfiel und in diesem Jahr im August nun endlich seine Fortsetzung bekommen sollte. Mitte Juli stand dann fest: Das Festival wird abgesagt. Hintergrund waren finanzielle Probleme, die u.a. durch den Absprung eines Großinvestors verursacht wurden. Im Zuge der Absage meldete das Unternehmen Tabularaaza GmbH Insolvenz an.

Tausende wollen nun ihr Geld für bereits gekaufte Tickets wieder haben. Und nicht für jeden hat Veranstalter Jan Meiners in der Hinsicht gute Nachrichten: Wer über den Bezahldienst Paypal gekauft hat, wird das Geld wohl nicht mehr wiedersehen. Meiners selbst bekommt seit der Absage am 17. Juli auch Hass und Drohungen – und nicht nur er, auch Familie, Freunde, Mitarbeiter und seine Ex-Frau seien mit reingezogen worden. Der betreffende Artikel wurde auf NWZonline ungefähr 23.000-mal aufgerufen.

Die bittere Ironie der Geschichte: Aufgrund der anhaltenden Regenfälle im Vorfeld des ursprünglich vorgesehenen Tabularaaza-Termins hätte das Festival wohl ohnehin abgesagt werden müssen.

Szene aus dem Video, in dem er die Insolvenz verkündet: Tabularaaza-Veranstalter Jan Meiners

INSOLVENZ BEIM TABULARAAZA-FESTIVAL Hass und Drohungen auch gegen Mitarbeiter und Familie

Patrick Buck Oldenburg

Einzigartiger Schulweg in Friesland

Am 17. August ging er wieder los, der sogenannte „Ernst des Lebens“: Nach sechs Wochen Ferien war wieder Schule angesagt. Beziehungsweise: war zum ersten Mal überhaupt Schule angesagt. Denn Zigtausende Kinder begannen ihre Schullaufbahn in diesen Tagen. Ein Ereignis, das ohnehin schon besonders genug ist – der sechsjährige Torge Kamps aus Bohlenberge in Friesland findet sich jedoch in einer Konstellation wieder, die einzigartig sein dürfte: Sein Klassenzimmer steht im eigenen Garten.

Denn die Erweiterung der Grundschule Bohlenberge haben Torges Eltern in ihrem Garten gebaut. Die Schule hatte Platznot und musste expandieren. Jetzt pachtet die Gemeinde Zetel das Holzhaus von den Kamps’ – und Torges Schulweg führt ihn durch den eigenen Garten. Diese kuriose Situation interessierte auf NWZonline knapp 20.000-mal.

Stolz darauf, bald zur Schule zu gehen, ist Torge Kamps. Lena Trippner wird seine Klassenlehrerin und unterrichtet die neue 1d in Torges Garten.

BESONDERE EINSCHULUNG IN ZETEL Torge geht bald im eigenen Garten zur Schule

Jan-Ole Smidt Bohlenberge
Christian Schwarz
Christian Schwarz Online-Redaktion
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